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HANDELSBLATT, Dienstag, 19. April 2005, 14:00 Uhr

Der Fluch der Mumie: Bringt Ötzi Tod und Verderben?


Konrad Spindler
Bild vergrößern Der Archäologe Konrad Spindler mit dem Schaft einer Steinzeitaxt in seinem Labor (Archiv).

dpa ROM. Mumien haben etwas Furcht erregendes, Erschreckendes, Unerklärliches an sich. Das wissen Kinofans spätestens seit Stephen Sommers gruseligem Kassenschlager „Die Mumie“. Und auch die Legende vom „Fluch des Tutenchamun“ sorgt bis heute für Gänsehaut, waren doch in den 1920er Jahren mehrere Mitglieder des Ausgrabungsteams um den Briten Howard Carter kurz nach der Öffnung des Pharao-Grabes gestorben.

Jetzt macht auch Ötzi von sich Reden: Sechs Menschen, die im Zusammenhang mit der Gletscherleiche standen, sind tot. Verbirgt sich hinter dem netten Namen ein grausiges Geheimnis?

Nachdem am Sonntag der Urgeschichtler und Ötzi-Forscher Konrad Spindler im Alter von nur 66 Jahren in Innsbruck gestorben ist, sind die Italiener - die sowieso zum Aberglauben tendieren - hellhörig geworden. Selbst die Nachrichten-Sprecherin des staatlichen RAI-Fernsehens sprach vom „Fluch des Ötzi“. Dass der Archäologe schon lange schwer krank war, wurde dabei nur in einem Nebensatz erwähnt.

Dennoch: Etwas Makabres hat die Geschichte schon, hatte Spindler doch erst vor einem halben Jahr erklärt, der angebliche Fluch der Eismumie habe allenfalls „Unterhaltungswert“. Scherzhaft hatte er hinzugefügt: „Werde ich dann der Nächste sein?“

Die Forschungen an der 5 300 Jahre alten Leiche, die 1991 vom Nürnberger Ehepaar Simon entdeckt worden war, hatten ergeben, dass Ötzi eine Pfeilspitze in der Schulter hatte. Er starb also keines natürlichen Todes. Rächt er sich dafür noch heute an allen, die ihm nahe kommen? Bei dem Gedanken wird vielen Italienern unbehaglich, ist die Mumie doch in ihren eigenen Landesgrenzen im Bozener Museum ausgestellt.

Die Lebensumstände des Gletscher-Mannes geben den Forschern bis heute Rätsel auf: Mit seinen etwa 47 Jahren hatte Ötzi für steinzeitliche Verhältnisse ein geradezu methusalemhaftes Alter erreicht. Er hatte Blutspuren an den Händen, die nicht von ihm selbst stammen und wurde scheinbar von hinten mit mehreren Pfeilen durchbohrt. Ein Ötzi-Forscher sprach erst kürzlich von einem „historischen Kriminalfall“.

Zu den Männern, die im Dunstkreis von Ötzi starben, zählt auch der Finder der Gletschermumie, Helmut Simon. Er war im vergangenen Herbst bei einer Bergtour von einer Lawine getötet worden. Weitere Gestorbene waren: Der Mumien-Gerichtsmediziner Rainer Henn, der bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam; der Bergführer Kurt Fritz, der Reinhold Messner zur Fundstelle begleitete und später bei einem Unglück in den Bergen starb; der Journalist Rainer Hölzl, der Ötzi filmte und einem Krebsleiden erlag; und schließlich ein Bergführer, der an der Suche nach dem verschollenen Helmut Simon beteiligt war - und nur wenige Stunden nach dessen Beerdigung an einem Herzinfarkt starb.

Ob es sich bei den Todesfällen um Unglücke, Zufälle oder einen Fluch handelt, wird wohl niemals geklärt werden können. Aber die gruselige Legende über den Fluch der Mumie, die aus grauer Vorzeit zurückkommt, um sich an den Menschen zu rächen - die hat nicht nur durch den gleichnamigen Kinofilm etwas Elektrisierendes an sich.


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