Technologie
Handelsblatt, 07.03.08 09:19
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Blackberrys Bastelstunde
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Die Cebit hat ihren Trend: Mobile E-Mail. Haufenweise Geräte, Tarife und Programme versuchen, die elektronische Post auch unterwegs zum Nutzer zu bringen. Der Urvater Blackberry bietet jetzt eine Komplettlösung an, mit der gleich mehrere moblie Geräte und Heimcomputer vernetzt werden können.
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DÜSSELDORF. Mobile E-Mail ist der Trend. Rund um die Cebit präsentieren zahlreiche Anbieter neue Lösungen auch für Kleinbetriebe und Familien. Wer dann noch den günstigsten Tarif findet, ist immer auf dem Laufenden und spart eine Menge Geld. Zwischen fünf und 100 Euro Kosten im Monat bei praktisch vergleichbaren Leistungen ist alles drin. Das web-basierte Momail.de wird Privatanwender interessieren. Momail sammelt E-Mails aus beliebigen E-Mailkonten wie Web.de, Yahoo oder Google-Mail ein und wandelt sie auf dem Netzrechner passgenau für hunderte verschiedene Telefonmodelle um. Fotos werden auf einen Bruchteil ihrer Ausgangsgröße eingedampft, bevor sie an das Handy gehen. Das verringert den Datentransfer um bis zu 80 Prozent, ermöglicht den Abschluss günstiger Datentarife, und beschleunigt den Download bei billigen, aber langsamen GPRS-Verbindungen. Im Handelsblatt-Test funktionierte die Installation (www.momail.de) per Konfigurations-SMS auf einem Motorola Z8 und einem Nokia N95 auf Anhieb. Ein HTC Touch (Windows Mobile) zeigte sich dagegen widerspenstig und verlangte nach manueller Feinarbeit. Privatkunden mit gelegentlicher Datennutzung im Inland sollten passend zu Diensten wie Momail einen Provider aus dem E-Netz buchen, rät Thomas Schlenkhoff von der Tarifberatung Telfish. Er hält derzeit E-Plus mit Simyo (24 Cent pro Megabyte und Abrechnung alle 10 Kilobyte) für eines der fairsten Angebote. BildMobil habe zwar über das D-Netz eine bessere Netzabdeckung und sei mit 35 Cent pro Megabyte ebenfalls recht günstig, allerdings gebe es Probleme mit dem Datentransfer. Zudem ärgert Schlenkhoff die Blockierung verschiedener E-Maildienste, um das eigene Geschäft anzukurbeln. Genaues Studium der Tarife lohnt sich immer, weiß Schlenkhoff: Der günstigste Anbieter nimmt für 5 Megabyte Datentransfer monatlich keine fünf Euro -- ein exotischer Ausreißer bis zu 100 Euro. Ein anderes Kriterium ist der Umgang mit der E-Mail. Während Momail eine Antwort auf eine Yahoo-E-Mail automatisch mit der gewohnten Absenderkennung Yahoo zurückgeschickt, beantworten andere Provider wie Vodafone eingesammelte E-Mails in ihren Billig-Tarifen nur mit der Absender-Kennung des eigenen E-Mail-Kontos. Nachteil: Der Empfänger könnte durch die geänderte Adresse verwirrt werden. Interessant für Kleinunternehmer oder Freiberufler mit bestehender IT-Infrastruktur auf Basis von Microsoft-Exchange-Server ist der am Dienstag vorgestellte Microsoft-Tarif "E-Mail Connect für Windows Mobile". Er ermöglicht die mobile Synchronisierung von Outlook, unlimitiertes Surfen im Web und echte Push-E-Mail ab 8,50 Euro netto (10,21 Euro inkl. Mwst.) bei 30 MB Inklusivvolumen im Monat. Buchbar sind die Pakete nur über Vodafone, als Internetzugangspunkt muss das APN "ms.vodafone.de" eingestellt sein. Es weist gnadenlos alles ab, was nicht mit Windows-Mobile-6 arbeitet, bestätigt Vodafone-Produktmanager Joachim Jokisch auf Anfrage. Unterstützt werden derzeit neun Geräte, darunter VPA Compact III, HTC Touch und Palm Treo 500. Mit der Bündel-Lösung aus Technik und Tarif bildet Microsoft erstmals aktiv einen Komplettservice ab, der vergleichbar zum beliebten Blackberry-Dienst von RIM ist. Blackberry, Urvater der mobilen E-Mail-Bewegung und Liebling aller Anzugträger, bleibt da nicht untätig. Die Internet-basierte Softwarelösung Blackberry Unite, die ab Sommer kostenlos angeboten werden soll, wird mit jedem Heim-PC ein Mini-Netz aus bis zu fünf Blackberrys ermöglichen. Der Boss des Kleinunternehmens oder das Familienoberhaupt kann es zentral verwalten und festlegen, ob die Kinder (Mitarbeiter) surfen oder SMS senden dürfen und kann Webseiten oder Telefonnummern sperren. BB Unite soll endlich zusammen mit neuen Geräten wie dem Pearl 8120 (in Deutschland bei O2 erhältlich) das W-Lan-Zeitalter bei Blackberry einläuten. Die enge Bindung an die Mobilfunkprovider -- Blackberry-Großkunden, die grundsätzlich keinen kostenlosen Datentransfer per W-Lan mögen -- hat die Kanadier schon gegen wendige Konkurrenz wie das iPhone von Apple und Nokia ins Hintertreffen geraten lassen. BB Unite wird das ändern. Taucht ein autorisierter W-Lan-Blackberry an einem Hotspot auf, wird der am DSL-Netz hängende Unite-Server informiert und beginnt E-Mails (auch Web-E-Mails wie von Yahoo oder Google), Kontakte und den gemeinsamen Kalender zu synchronisieren. Ordner auf dem PC können für eine Aktualisierung freigegeben werden, Fotos oder die neuesten Preislisten für den Monteur werden automatisch verschickt. Das Wichtigste: Die Unite-Software schaltet automatisch von Mobilfunk auf W-Lan-Betrieb um, sobald das möglich ist. Das kann die monatliche Datenrechnung erheblich reduzieren und erhöht die Geschwindigkeit. Beispiel: Surfen im Web. Der W-Lan-Blackberry schickt nur die Webadresse an den Unite-PC. Der wühlt per DSL im Internet, komprimiert die gefundene Webseite und sendet sie zurück an das Handy. Das geht schneller, als wenn das Gerät mit seinem kleinen Prozessor alleine und per langsamer Edge- oder GPRS-Übertragung im Mobilfunknetz surfen muss. Zumindest theoretisch wird das so sein: Auf Nachfrage räumt Rim-Produktmanager Jens Kühner ein, dass die Mobilfunkprovider das Recht haben werden, den Unite-Service in ihrem Netz zu sperren -- oder extra dafür zu kassieren, sozusagen als Ausgleich für entgangenen Datentransfer. Da hilft den potenziellen Kunden nur eines: vergleichen, vergleichen, vergleichen. |