
Köln (SID) - Während der Anhörung im Fall des dreimaligen Tour-de-France-Siegers Alberto Contador vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS ist es im November angeblich zu einem Eklat gekommen. So soll die Richter-Kommission unter Führung des Israelis Ephraim Barak den Anti-Doping-Experten Michael Ashenden nicht als Zeuge zugelassen haben. Das berichtet die Nachrichtenagentur AP mit Verweis auf Augenzeugen.
Ashenden, einer der Hauptzeugen der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, sollte zu möglichen Bluttransfusionen des spanischen Radprofis während der Tour 2010 Stellung nehmen. Die WADA-Anwälte hätten indes nur die Möglichkeit gehabt, den von Contadors Verteidigern aufgerufenen Experten Paul Scott ins Kreuzverhör zu nehmen. Die Anwälte hätten sich empört gezeigt und wollten die Anhörung verlassen. Später soll die WADA die Vorkommnisse in einer Anzeige schriftlich festgehalten haben, mit der sie vor das Schweizer Bundesgericht ziehen könnte.
Die Integrität von Richter Barak war zuvor in Frage gestellt worden. Flavio Becca, Mäzen des Radteams RadioShack-Nissan, hatte ein Israel-Trainingslager von Contadors Team kritisch hinterfragt. Der CAS sah sich zu einer Stellungnahme gezwungen und wies die Anschuldigungen kategorisch zurück. "Das ist unwahr und entbehrt jeder Grundlage. Er (Barak) ist nicht käuflich. Wir sind uns seiner Unabhängigkeit sicher", sagte CAS-Generalsekretär Matthieu Reeb der dänischen Webseite sporten.dk.
Das innerhalb der nächsten zehn Tage erwartete Urteil im Fall Contador könnte sich indes weiter hinauszögern. Spanischen Medienberichten zufolge benötigt die Richter-Kommission mehr Zeit für die Entscheidung, um der "Komplexität der Angelegenheit gerecht zu werden". Neben dem Vorsitzenden Barak sind noch der Deutsche Ullrich Haas, nominiert von der Contador-Seite, und der Schweizer Quentin Byrne-Sutton, berufen von WADA und UCI, als beisitzende Richter mit dem Fall befasst.
Contador war im Juli 2010 positiv auf Clenbuterol getestet worden. Weil der spanische Verband RFEC ihn aber von jeder Schuld freigesprochen hatte, brachten WADA und der Radsportweltverband UCI den Fall vor den CAS. Bei einem Schuldspruch würde Contador nicht nur für zwei Jahre gesperrt, sondern bekäme auch seinen Tour-Sieg von 2010 aberkannt.