_

Ski alpin Weltcup: Riesenslalom-Absage beschert Riesch Gesamtsieg

Maria Riesch hat zum ersten Mal die große Kristallkugel für den Gewinn des Gesamt-Weltcups errungen. Der abschließende Riesenslalom beim Weltcup-Finale wurde ersatzlos abgesagt.

Glückliche Siegerin: Maria Riesch Quelle: SID
Glückliche Siegerin: Maria Riesch Quelle: SID

Köln (SID) -

Anzeige

Maria Riesch stand vor dem Hotel Dieschen in Lenzerheide, als sie die frohe Botschaft erreichte. "Echt jetzt?", sagte sie ungläubig, als sie hörte, dass das letzte Saisonrennen abgesagt war - und als sie realisiert hatte, dass das für sie den Gewinn des Gesamtweltcups bedeutete, fiel sie Teamkollegin Viktoria Rebensburg um den Hals und weinte. "Ich bin sonst nicht der Typ dafür. Aber da ist die ganze Anspannung von mir abgefallen und ich habe die ein oder andere Träne verdrückt", sagte sie.

Weil der Riesenslalom auf der ramponierten Piste im Schweizer Lenzerheide nicht mehr stattfinden konnte, blieb Maria Riesch in der Endabrechnung drei Punkte vor Lindsey Vonn (USA) und holte die große Kristallkugel erstmals seit 13 Jahren nach Deutschland. Rebensburg fiel die kleine Kugel für die Beste im Riesenslalom in den Schoß. "Das ist das Größte überhaupt. In der öffentlichen Wahrnehmung mögen der Weltmeister-Titel und die Olympiasiege wichtiger sein, aber sportlich gibt es nichts, was diesen Stellenwert hat", sagte Riesch über ihren Gesamterfolg, den erst vierten einer deutschen Rennläuferin.

Wie Rosi Mittermaier (1976) und Katja Seizinger (1996/1998) hat Riesch nun alles gewonnen, was es in ihrem Sport zu gewinnen gibt. "Maria hat den letzten Diamanten in ihre Krone eingesetzt", würdigte DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier den Triumph seiner besten Athletin. Die hatte sich mit Rang vier im Slalom am Freitag knapp vor Vonn geschoben und dann von der laut FIS-Renndirektor Atle Skaardal "unumgänglichen" Absage profitiert. Maier fand das "wie Weihnachten", Vonn dagegen kochte vor Wut. "Ich bin tief enttäuscht und sehr traurig. Ich hätte einfach gerne noch eine Chance bekommen", ließ Vonn über einen Sprecher ausrichten. Zu einer Aussage sei sie nicht fähig, hieß es weiter: "Sie würde wohl weinen müssen." Als Riesch am Nachmittag die Kristallkugel bekam, war Vonn noch immer nicht zu einer ehrlichen Gratulation in der Lage.

"Ich verstehe, dass sie enttäuscht ist, weil es so knapp war. Aber das hat doch mit der persönlichen Ebene nix zu tun. Das tut schon ein bisschen weh", sagte Riesch. Dass Vonn die Einladung zu ihrer Hochzeit am 14. April mit Manager Marcus Höfl wahrnimmt, hält sie nunmehr für ausgeschlossen.

Die - zumindest vorübergehend - verlorene Freundschaft war für Riesch ein großer Wermutstropfen. Doch die Freude über den Coup überwog. "Das ist der größte Traum, der für mich in Erfüllung geht. Es gab ja erst zwei Deutsche vor mir, die das geschafft haben. Ich bin stolz darauf", sagte die 26-Jährige.

Den Moment der Absage empfanden Riesch, Maier und Co. als unwirklich. "Ich stand mit meinem Servicemann (Stefan Böhler, d. Red.) vor dem Hotel und habe die Skier eingeladen, um zur Hangbesichtigung zu fahren", sagte Riesch. Dann habe sie aus dem Haus Jubel gehört. "Böhli sagte, es sei wohl abgesagt worden. Wir haben Tom Stauffer angefunkt, um zu erfahren, was ist", berichtete Riesch. Und der Cheftrainer bestätigte: "Ja, das Rennen ist abgesagt." Maier fand die Situation "komisch. Wir waren so fokussiert auf den Showdown, da war extremes Kribbeln drauf. Ich wusste erst gar nicht, was ich sagen sollte."

Vonn auch nicht. Ihre Trainer protestierten noch gegen den Entscheid der Jury, und Skaardal gab zu: "Es ist auch für mich ein schwieriger Tag." Doch die Strecke habe sich in "bodenlosem" Zustand präsentiert: "Es ist einfach nicht gegangen." Im deutschen Lager wurde das Verhalten des Vonn-Clans mit Befremden aufgenommen. "Ich kann die Position in Anführungszeichen verstehen. Aber ich würde mich nie auf die gleiche Schiene begeben. Ich erwarte, dass man das sportlich fair hinnimmt", sagte Maier. Dann fiel er Riesch in die Arme.

Auch Rebensburg wurde von Trainern und Betreuern geherzt. "Ich bin sehr stolz auf die Kugel, weil sie zeigt, dass ich über die gesamte Saison konstant gute Leistungen gebracht habe", sagte die Olympiasiegerin aus Kreuth. Wie die Französin Tessa Worley gewann sie drei Saisonrennen, letztlich hatte sie aber deutliche 77 Punkte Vorsprung. "Als ich und Maria uns umarmten, war das brutal emotional, ein richtig schöner Moment", sagte sie.

Quelle: SID
  • Die aktuellen Top-Themen
Formel 1 in Monte Carlo: Sechster Sieger im sechsten Rennen

Sechster Sieger im sechsten Rennen

Nico Rosberg ist bei seinem „Heim-Grand-Prix“ Zweiter geworden - knapp hinter Red-Bull-Pilot Webber. Sebastian Vettel fährt weit nach vorne, muss aber um die Punkte bangen. Für „Schumi“ war erneut vorzeitig Schluss.

Fußball EM: Razzia im italienischen EM-Trainingslager

Razzia im italienischen EM-Trainingslager

Der italienische Wettskandal hat die Nationalmannschaft erreicht. Bei einer Razzia im Trainingslager der Italiener durchsuchte die Polizei das Zimmer von Domenico Criscito.

Golf US-PGA: US-Tour: Johnson fängt Dufner noch ab

US-Tour: Johnson fängt Dufner noch ab

Der frühere US-Masters-Champion Zach Johnson hat zum zweiten Mal das US-Turnier der Profigolfer im texanischen Fort Worth gewonnen.

  • Video

Hockey-Damen Deutschlands große Medaillenhoffnung

2007 holten die deutschen Hockey-Damen in Athen Gold - danach begann ein gradueller Abstieg. Doch bei den den Olympischen Spielen in London wollen sie den Fluch brechen und endlich wieder aufs Siegertreppchen.