Netz-Bubble

Umgang mit Hatespeech
Facebook beugt sich deutschem Druck

Monatelang wurde Facebook für seinen Umgang mit Hassparolen kritisiert. Jetzt geht der Online-Gigant einen - wenn auch kleinen - Schritt auf seine Kritiker zu.

„Einfach drüber fahren. Scheiß Ratten-Plage!“, „Wir brauchen einen neuen Führer!“ oder „Untermenschen, Dreckspack ohne Reue und Hirn“. Jeden Tag werden zahllose solcher Kommentare auf deutschen Facebook-Seiten veröffentlicht - und von Facebook manchmal tagelang nicht gelöscht.

Das soll sich nun ändern: Nachdem der Online-Gigant monatelang für seinen Umgang mit Hass und Hetze gegen Flüchtlinge kritisiert worden ist, scheint er jetzt - endlich - zum Umdenken bereit.

Die umstrittenen Gemeinschaftsstandards will man zwar nicht umschreiben. Aber immerhin anders interpretieren: Auch Postings, die „Androhungen von physischer Gewalt“ enthalten, sollen dann als „glaubhafte Drohungen eingeschätzt und entfernt“ werden können.

Heißt konkret: Per se genießen Flüchtlinge bei Facebook weiterhin keinen besonderen Schutz. Aber die Mitarbeiter des so genannten Community Operation Teams in der Dubliner Europazentrale können geschmacklose Beiträge künftig schneller löschen.

Eine kleine Regeländerung also mit - hoffentlich - großer Wirkung. Und ein Sieg der vielen deutschen Kritiker, Nutzer, Aktivisten und Politiker, die Facebook unermüdlich gemahnt haben. Ihr Druck zeigt Wirkung. Und zwingt irgendwann sogar einen amerikanischen Online-Giganten zum Umdenken.

Was meinen Sie? Reichen Facebooks Maßnahmen gegen Hassparolen? Diskutieren Sie mit - auf unserer Facebook-Seite.

Die Kolumne „Netz-Bubble“ erscheint immer dienstags im Handelsblatt Morning Briefing.

Tina Halberschmidt, Social-Media-Redakteurin
Tina Halberschmidt
Handelsblatt / Teamleiterin und Redakteurin Social Media
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