Export
Finanzkrise erschwert Cross-Border-Leasing

Leasing hat für den Export von Gütern seit langem nur eine marginale Bedeutung. Die Finanzkrise könnte das ohnehin schwache Cross-Border-Leasinggeschäft zusätzlich behindern.

BAD CAMBERG. "Die meisten Auslandsgeschäfte werden mit Unternehmen in Mittel- und Osteuropa abgewickelt", sagt Friedhelm Westebbe, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL). Er beziffert den Anteil von Osteuropa am europäischen Exportleasingmarkt im Jahr 2006 auf 14 Prozent - mit einer Wachstumsrate von 65 Prozent. Die ins Ausland vermieteten Objekte sind laut Westebbe wie beim inländischen Mobilienleasing "vor allem Fahrzeuge und Produktionsmaschinen". Es können aber auch Flugzeuge, Schiffe, Bohrinseln, Kraftwerke, Anlagen und Objekte der Bauwirtschaft sein.

Zu geschäftlichen Höhen ist die Mietexport-Offerte in den vergangenen Jahren nicht aufgelaufen. Laut West-ebbe werden nicht einmal zehn Prozent des Neugeschäfts der BDL-Mitglieder mit Exportleasing erwirtschaftet. Das gesamte Neugeschäftsvolumen mit Mobilienleasing in 2007 belief sich auf 50,3 Mrd. Euro. Westebbe ist dennoch optimistisch: "Das Auslandsgeschäft wird weiter zunehmen." Gerade in den Reformstaaten sei "Leasing das ideale Instrument, um Investitionen zu realisieren, Volkswirtschaften aufzubauen und zu modernisieren".

Ralf Schroeder, Gebietsleiter der FIBA ImmoHyp GmbH in Frankfurt am Main, hält solche Einschätzungen für reinen Zweckoptimismus: "Schon in der Vergangenheit trat der deutsche Exportleasingmarkt trotz Aufschwung und Globalisierung weitgehend auf der Stelle." Er fragt: "Wieso sollten also die Umsätze innerhalb dieses Leasingsegments angesichts der sich verstärkenden Weltfinanzkrise spürbar steigen?" Schroeder verweist auf einen maßgeblichen, von den Anbietern propagierten Vorteil des Cross-Border-Leasings: Ausländische Firmen können die Anschaffungskosten voll finanzieren, ohne Liquidität bereitstellen zu müssen. "Die Risikobereitschaft deutscher Leasinggesellschaften, oftmals Banken, wird schwinden", sagt er. "Sie tragen das volle Delkredererisiko und stehen für die Forderungen des Herstellers in der Zahlungspflicht. Demzufolge werden die Leasinggeber ohne hinreichende Bonität beim Auslandskunden vermehrt Darlehen ablehnen oder erhöhte Zinsen in Rechnung stellen", prognostiziert Schroeder.

Hinzu kommt, dass Leasinggesellschaften die Bonität ausländischer Abnehmer nur schwer einschätzen können. Unterschiede beim Zivilrecht und verschiedene Steuersätze verkomplizieren das Aushandeln von Verträgen und das Absetzen der Leasingkosten. Deshalb kooperieren Leasingfirmen häufig mit Gesellschaften aus anderen Ländern oder gründen im Exportland eine Tochtergesellschaft, um Bonität und Rechtslage besser prüfen zu können. Nur: Beide Strategien verursachen hohe Kosten, die unter den sich abzeichnenden Marktrahmenbedingungen deutlicher als in Zeiten einer prosperierenden Wirtschaft zu Buche schlagen. Schon bisher lohnte sich Cross-Border-Leasing auf Grund der hohen Transaktionskosten meist nur bei Big-Tickets, also Gütern mit Werten ab 300 000 Euro.

Bei der Süd Leasing geht man davon aus, dass sich die Finanzkrise auch auf Cross-Border-Leasing-Geschäfte auswirken wird. Wie stark, hänge von der weiteren Entwicklung der Krise ab. Außerdem sieht der Anbieter künftig einen höheren Mietzins für die ausländischen Leasingnehmer. Es sei denn, sie könnten hinreichend Liquidität nachweisen. Der Mietzins setzt sich aus den Kosten für die Abschreibung des Objekts, der Verzinsung des im Objekt gebundenen Kapitals sowie der Gewinn- und Risikomarge zusammen.

"Der große Boom beim Export ist erst einmal vorüber", schätzt Ralph Solveen, Economist bei der Commerzbank. Das beeinflusst auch das Exportleasing. Offenbar glauben viele Leasinggesellschaften unter den aktuellen Vorzeichen selbst nicht mehr an ein florierendes Auslandsgeschäft. So hat DB Export-Leasing, ein Unternehmen der Deutschen Bank, sein Engagement in diesem Bereich zurückgefahren. Rainer Goldberg, Marketing-Leiter bei IKB Leasing Germany, hofft auf einen weiterhin expandierenden osteuropäischen Leasingmarkt als Rettungsanker - und harrt der Dinge, die mit der Übernahme der IKB durch den Sanierer Lone Star anstehen. Und das neutrale Ifo Institut? Es bewertet nicht länger den Markt für Exportleasing und verweist stattdessen auf die Zahlen des BDL.

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