Factoring
Liquidität durch Forderungsverkauf

Die Zahlungsmoral in Deutschland ist schlecht. Schuldner zögern Zahlungen hinaus, Unternehmen warten auf ihr Geld, das sie dringend brauchen. Forderungskäufer versprechen Abhilfe – und sie haben eine neue Kundengruppe entdeckt: Dienstleister.

JESTEBURG. Gesetzliches Zahlungsziel sind 30 Tage – tatsächlich werden Rechnungen im Schnitt erst nach 40 bis 50 Tagen beglichen. „Sogar dass man drei bis sechs Monate auf sein Geld warten muss, kommt häufig vor“, sagt Michael Speller, Geschäftsführer der IT-Management Consulting in Marktheidenfeld. „Je größer die Auftraggeber, umso später zahlen sie und umso größer ist die Selbstverständlichkeit, mit der sie dies tun.“

Besonders kleine und mittlere Betriebe kann die Zahlungsmoral mancher Kunden in den Ruin treiben. Nicht nur regelmäßige Verbindlichkeiten wie Löhne, Mieten und Versicherungen sind nicht gedeckt. "Es fehlt auch das Geld, um neue Aufträge auszuführen", sagt Michael Speller, Geschäftsführer der IT Consulting-Management in Marktheidenfeld. Als Berater für Konzerne fallen bei ihm vorrangig Reisekosten an. Die Liquidität dafür kommt aus bereits erfüllten Verträgen - und zwar binnen 24 Stunden. Denn ein Factoringunternehmen kauft Speller seine Forderungen ab und überweist 80 Prozent seines Honorars sofort. Den Rest - minus Gebühren von 3,5 Prozent und Zinsen - erhält Speller, wenn sein Schuldner die Rechnung beglichen hat.

Leicht war es für Speller nicht, eine Factoringfirma zu finden. "Ich bin Dienstleister und trotz guter Umsätze komme ich nicht auf ein Volumen von 100 000 Euro pro Monat", sagt Speller. Factoring, der Verkauf von Forderungen, bezieht sich traditionell auf Güter. "Forderungen aus Dienstleistungen werden nicht so gerne genommen, weil sie anfälliger für Reklamationen sind", erläutert Karl-Joachim Lubitz, Geschäftsführer der Deutschen Factoring Bank in Bremen. Bei einer Palette Kekse sei unstrittig, dass die Lieferung komplett bezahlt werden müsse.

"Bei Dienstleistungen dagegen zweifeln Auftraggeber gerne an, dass das, was sie bekommen haben, der Vereinbarung entspricht", so Lubitz. Und dann werde einfach das Honorar gekürzt. Factoring aber muss auf unbestreitbaren Forderungen beruhen. Michael Speller hat deshalb zusammen mit seinem Factoringanbieter, der Firma ProCom aus Darmstadt, seine Verträge neu gestaltet: "Es wird genauestens definiert, welche Leistungen ich zu erbringen habe. Alle Unwägbarkeiten sind ausgeräumt."

Der Grund dafür, dass Forderungskäufer neue Kundengruppen wie Anwälte, Ärzte oder Unternehmensberater entdecken und sich auch mit geringeren Umsätzen anfreunden, liegt in der Wettbewerbssituation. Zwar meldet die Branche deutliche Zuwächse: So wies der Deutsche Factoring Verband im ersten Halbjahr 2008 einen Umsatzzuwachs von knapp einem Viertel auf rund 51 Mrd. Euro aus. Für 2007 meldete der Bundesverband Factoring für den Mittelstand einen Anstieg der Ankaufvolumina von 1,7 Mrd. Euro auf rund sechs Mrd. Euro. Parallel hat aber auch die Zahl der Factoringfirmen und damit die Konkurrenz zugenommen. Die Suche nach neuen Betätigungsfeldern ist in vollem Gange.

Wie sich der Factoringmarkt im Zuge der Finanzkrise entwickeln wird, ist offen. "Noch sind keine direkten Beeinträchtigungen zu spüren", so Joachim Secker, Vorstandsvorsitzender der GE Heller Bank. Experten sagen, Factoringanbieter würden künftig risikobewusster sein. Alexander Moseschus vom Deutschen Factoring Verband bemüht die Erfahrung: Gehe es den Banken schlecht, drehten sie den Geldhahn zu. Sei der Geldhahn zu, sprudelten die Geschäfte bei Leasing und Factoring.

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