Finanzierung
Reverse Factoring schützt vor Produktionsausfällen

Ist der Zulieferer insolvent, stehen die Bänder still. Das lässt sich vermeiden, wenn der Abnehmer sich um die Finanzierung kümmert. Mit Reverse Factoring zum Beispiel können Unternehmen schneller Geld in die Kasse bekommen.

WERTHER. Mit Reverse Factoring kann ein Unternehmen die Liquidität eines Lieferanten sicherstellen. Denn die Einkaufsmacht des Abnehmers wird zur Ohnmacht, wenn ein Lieferant nicht liefert. Das Problem: Häufig müssen Lieferanten ihrerseits Vorlieferanten bezahlen. „Wir müssen unsere Vorlieferanten per Kontokorrent vorfinanzieren und warten dann wochenlang beim Abnehmer auf die Zahlung“, sagt Dirk Buscher, Geschäftsführer der Zimmerei Buscher & Ennen aus Nordhorn. „Die Auftragsfinanzierung wird somit immer teurer.“ Abhilfe kann Reverse Factoring – auch Lieferanten- oder Einkaufsfactoring genannt – schaffen, das schnell zu Liquidität verhilft. Die Initiative zum Factoring geht dabei vom Schuldner aus. Voraussetzung ist dessen gute Bonität.

Übernimmt der Factor die Forderungen des Lieferanten an den Abnehmer, wird der Lieferant bevorschusst und kann seine Rechnungen an seinen Vorlieferanten pünktlich begleichen. Der Abnehmer kann Skontierungsvorteile nutzen und seine eigenen Zahlungsziele dem Cash-Flow anpassen.

„Für den Abnehmer bleibt das gewünschte Zahlungsziel erhalten, der Lieferant wird aber unter Skonto und innerhalb Skontofrist bezahlt“, sagt Michael Boomhuis, geschäftsführender Gesellschafter beim Hansekontor Hamburg. Er empfiehlt Reverse Factoring mit einem Lieferanten umzusetzen, wenn dieser bei sofortiger Zahlung mindestens drei Prozent Skonto anbietet. „Der Käufer bringt den Einkaufsfactor mit seinem Lieferanten zusammen: Er bringt sozusagen den Finanzier gleich mit“, sagt Boomhuis, der dem Käufer im Innenverhältnis ein Zahlungsziel von 60 bis 90 Tagen einräumt.

Vorschüsse an Lieferanten sind insbesondere sinnvoll, wenn das Einkaufsvolumen steigt. Besondere Bedeutung haben Lieferantenvorschüsse im Automobilbau. Denn wird die mehrstufige Zulieferungskette unterbrochen, weil ein Zulieferer in Zahlungsschwierigkeiten steckt, stehen beim Autobauer die Bänder still. So geschehen beim Zulieferer Peguform: Er konnte seine eigenen Lieferanten nicht mehr bezahlen, weil er auf Zahlungen von Auftraggebern wartete – die Folge: Insolvenz trotz voller Auftragsbücher. Fünf Automobilhersteller gewährten Peguform ein Darlehen von 130 Mio. Euro.

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