Finanzierungsformen
Kapitalbedarf macht Firmen erfinderisch

Wenn Unternehmen investieren, reicht die klassische Finanzierung über die Hausbank meist nicht aus. Alternative Finanzierungsmodelle sind gefragt, Leasing und Factoring deswegen weiter auf dem Vormarsch.

HB BERLIN. 2003 baute die Hirschvogel Umformtechnik GmbH im oberbayerischen Denklingen ihr gesamtes Finanzierungskonzept um. Man fand Private-Equity-Geldgeber und verkaufte Forderungen. Der Grund: Hirschvogel musste in Einrichtungen zur Produktion innovativer Produkte investieren. Hinzu kam die Internationalisierung des Unternehmens, um Kunden an deren Standorten in allen wichtigen Märkten vor Ort betreuen zu können. "Wichtig ist für uns, trotz der kapitalintensiven Vorfinanzierungen weiter atmen zu können, flexibel und unabhängig zu bleiben", sagt Josef Baumeister, kaufmännischer Geschäftsführer von Hirschvogel. "Deshalb suchten wir nach neuen Finanzierungswegen und stellten das Konzept auf mehrere Säulen."

Wie Hirschvogel müssen Autozulieferer oft mit Summen in Vorleistung gehen, die im dreistelligen Millionenbereich liegen. Zwar ist es für sie von Vorteil, dass damit weite Teile der Forschungs- und Entwicklungsarbeit bei ihnen liegen, doch sind gerade diese Arbeiten mit finanziellen Herausforderungen verbunden. Die hohen Investitionen zahlen sich meist erst nach vielen Jahren aus, wenn die entwickelten Produkte in die Serienproduktion der Hersteller integriert werden. Die klassische Finanzierung über die Hausbank reicht meist nicht aus.

"Deshalb sind neue Ansätze und neue Finanzierungskonzepte notwendig, um den Bedarf zu befriedigen", sagt Jürgen Janz, Geschäftsführer von Südleasing. Factoring, Mezzanine, Private Equity, Asset Backed Securities und Leasing sind die am häufigsten eingesetzten Alternativen zur Kapitalbeschaffung über die Bank. "Die Wahl des Finanzierungsinstrumentes ist dabei abhängig von den Anforderungen des Zulieferers", erklärt Janz. Abhängig von der Art der geplanten Investition bieten sich unterschiedliche Finanzierungsinstrumente an.

Akquisitionen von Unternehmen zum Beispiel werden je nach Komplexität und Größe meist über spezielle Akquisitionsfinanzierungen abgedeckt, die im Verbund mit mehreren Banken durch ein Konsortium strukturiert werden. Anders bei Produktionsanlagen: "Für uns als Leasinggesellschaft steht die Finanzierung von Objekten wie Maschinen im Vordergrund", erklärt Janz. Ergänzend dazu wurden jedoch auch Konzepte entwickelt, die alle auftragsbezogenen Investitionen von der Entwicklung bis hin zu den Fertigungseinrichtungen beinhalten.

Ähnlich beschreibt es Dirk Wagner, Senior-Projektmanager bei der DAL Structured Finance GmbH in Wiesbaden. Als Beispiel nennt er einen Automobilhersteller, der an einen Zulieferer den Auftrag für die Entwicklung eines neuen Werkzeugs vergibt, mit dem neue Maschinen Teile produzieren sollen. "24 Monate vor Serienstart beginnt bereits die Entwicklung. Das bedeutet für den Zulieferer einen erheblichen Liquiditätsbedarf", sagt Wagner.

Die DAL kann in einem solchen Fall den Auftrag des Herstellers übernehmen und ihn an den Zulieferer weiterreichen. Zu mehreren Stichtagen während der Entwicklungszeit erhält das Zulieferunternehmen von DAL Geld. Geht das Produkt in Serie, leistet der Zulieferer im Rahmen einer Lizenzphase Zahlungen an DAL. "Gewinne und Verluste kann der Zulieferer so besser steuern, Projekte können sauber durchkalkuliert werden, und das Unternehmen kann flexibler neue Aufträge annehmen", sagt Wagner.

Schneller als solche Spezialfinanzierungen setzt sich der Forderungsverkauf durch, das so genannte Factoring. So auch bei Hirschvogel Umformtechnik: Ein Factoring-Anbieter kauft dem Unternehmen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen ab. "Derartige Forderungsabtretungen können still und leise im Hintergrund verlaufen", sagt Baumeister. Das Debitorenmanagement blieb trotz des Verkaufs bei dem Zulieferer.

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