Gebrauchtwagen-Problem
Abwrackprämie gerät für Leasingbranche zum Alptraum

Die Abwrackprämie ist für die Kfz-Leasinggesellschaften ein Alptraum: Weil potenzielle Gebrauchtwagenkäufer sich ihretwegen häufig lieber für einen Neuwagen entscheiden, landen die Leasingrückläufer mittlerweile auf angemieteten Ackerflächen – und die Preise für diese Autos sinken ins Bodenlose. Gebrauchtwageninteressenten können davon profitieren.

WERTHER. Das Gebrauchtwagengeschäft ist der zentrale Absatzkanal für Rückläufer aus Finanzierungs- und Leasingverträgen und dem Flottengeschäft. „Die Abwrackprämie führt aber dazu, dass potenzielle Käufer sich lieber für einen neuen Golf oder Peugeot 308 anstatt für einen drei Jahre alten Audi A4, BMW 3er oder die Mercedes-Benz C-Klasse entscheiden“, sagt Dr. Rainer Meckes, Automobilexperte bei Simon-Kucher & Partners.

Allerdings benötigen Leasinggesellschaften dringend die Erträge aus dem Geschäft mit den Gebrauchten. Denn die Refinanzierung wird für sie in der andauernden Krise immer schwieriger und vor allem teuerer, weil die Banken höhere Risikoaufschläge verlangen und die Margen drücken. Daher versilbern sie zunehmend ihre Gebrauchten selbst und steigen verstärkt in die Direktvermarktung an Privatkunden ein. Hier ist die Gewinnspanne größer, weil die Leasinggesellschaft die Händlermarge einspart. Autokäufer können Fahrzeuge nun direkt beim Leasinggeber zu Sonderpreisen erwerben.

Athlon Car Lease Germany hat zuletzt ein eigenes Internetportal namens „Carsale“ freigeschaltet und bietet dazu die Finanzierung zu einem Festzins an. Kooperationspartner ist die Santander Consumer Bank. „Das neue Gebrauchtwagenportal ist für private Käufer die Chance, per Mausklick einen jungen Gebrauchten zu erwerben, bevor ein Händler zugreift“, sagt Ryjan Rutgers, Geschäftsführer von Athlon Car Lease Germany. Informierte Interessenten hätten die Vorteile bereits erkannt. Doch aus Angst, die Abwrackprämie zu verpassen, zahlten viele Autokäufer sogar für das Verschrotten drauf, da manches alte Auto deutlich mehr als 2 500 Euro wert sei.

Traditionell gilt der Verkauf von Gebrauchten vor allem bei den herstellergebundenen Gesellschaften nur als Beigeschäft. Eine bisher unveröffentlichte Studie der Unternehmensberatung Accenture bescheinigt der systematischen Vermarktung älterer Fahrzeuge ein erhebliches Ertragspotenzial. Es sei an der Zeit, die beiden Geschäftsfelder Neu- und Gebrauchtwagen zu verbinden. Doch an der Umsetzung hapert es noch. Bereits 2002 hatte sich Daimler mit einer neuen Konzerntochter namens „Motormeile“ an der Vermarktung von Gebrauchten auch von Fremdmarken versucht. Willi Diez, Professor am baden-württembergischen Institut für Automobilwirtschaft, hatte die Motormeile damals als „echte Innovation“ bezeichnet. Heute ist die systematische Gebrauchtwagenvermarktung wirtschaftliche Notwendigkeit.

Voraussetzung für den Erfolg allerdings ist, dass die Gebrauchtwagenmärkte etwas bieten – und dafür braucht es gute Einkaufsquellen. Genau das ist das Problem, denn die Zahl der guten Gebrauchten ist begrenzt: Bei Athlon Car Lease werden nur die Fahrzeuge, die wenige Kilometer gelaufen sind, im B2C-Bereich vermarktet. Das sind gerade einmal 20 Prozent der Rückläufer, die ab Mai auch in einem eigenen Autohaus in Neuss angeboten werden sollen. Fahrzeuge, die viele Kilometer gelaufen sind oder einen Unfallschaden haben, gehen dagegen an den Gebrauchtwagenhandel. Die Händler haben daher weniger Chancen, an gute Gebrauchte zu kommen. Leasinggesellschaften schon – sie sitzen direkt an der Quelle.

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