Grenke Leasing
Die eigene Bank als Rettungsanker

Mitten in der Finanzkrise, in der vielen Leasingunternehmen ihre Refinanzierung Kopfzerbrechen bereitet, hat sich der kleine Anbieter Grenke Leasing eine ungewöhnliche Lösung ausgedacht: Die Baden-Badener haben sich einfach eine eigene Bank dazu gekauft. Der Erwerb der Hesse Newman Bank erleichtert Grenke Leasing die Refinanzierung.

HB FRANKFURT. Zu Beginn des Jahres erwarb das Unternehmen die Hamburger Bank Hesse Newman. Im Zuge der Übernahme nannte das Leasingunternehmen die Bank in Grenke Bank um und restrukturierte sie. Seitdem ist die ehemalige Privatbank eine reine Online-Bank. Tages- und Festgeldkonten mit bis zu drei Prozent Zinsen sollen den Privatkunden locken. Dieses Geld hilft dem Unternehmen, das überwiegend IT-Geräte wie PCs und Drucker vermietet, bei der Refinanzierung seiner Leasinggeschäfte.

Das Einlagevolumen der Grenke Bank beträgt 108 Mio. Euro. Bei einem Neugeschäftsvolumen von rund 600 Mio. Euro im Jahr ein beachtlicher Betrag. "Die eigene Bank im Rücken schafft Optionen. Das Unternehmen kann sich langfristig unabhängig refinanzieren", sagt Professor Thomas Hartmann-Wendels vom Forschungsinstitut für Leasing an der Universität Köln. Innerhalb der acht Monate nach dem Kauf der Bank wurde das Einlagevolumen um die Hälfte gesteigert. Zum Ende des ersten Quartals betrug es noch 56,7 Mio. Euro.

Mittlerweile hat sich der Finanzmarkt soweit beruhigt, dass Grenke auch wieder andere Refinanzierungsmöglichkeiten nutzen kann. Im August platzierte das Unternehmen eine Anleihe in Höhe von 100 Mio. Euro und schloss eine Verbriefung mit einem Volumen von 150 Mio. Euro ab. Der Verbriefungsmarkt war nach 2007 weitgehend zum Erliegen gekommen, was den Leasinggesellschaften die Refinanzierung erschwert hatte.

Grenke Leasing hat schon früher auf für Leasinggesellschaften eher ungewöhnliche Refinanzierungsformen gesetzt. Im Jahr 2000 stärkte der Anbieter sein Eigenkapital über den Gang an die Börse. In den kommenden Monaten will Grenke das Angebot der Bank über Tages- und Festgeldkonten hinaus erweitern. Auch mittelständische Unternehmen sollen künftig zum Kundenkreis gehören.

Die Refinanzierung durch den Kauf einer Bank ist ungewöhnlich in der Branche. Oft ist das Gegenteil der Fall - wenn Leasinggesellschaften die Töchter großer Finanzunternehmen sind und sich über die Einlagen der Konzernmutter finanzieren. "Es ist sicherlich kein Königsweg für die Leasingbranche. Für einzelne Gesellschaften ist es aber durchaus sinnvoll", erklärt Hartmann-Wendels vom Forschungsinstitut in Köln.

Das Modell ist bisher lediglich aus der Autobranche bekannt. Bei der Mercedes-Benz-Bank ist das Geld aus dem Einlagengeschäft die hauptsächliche Quelle, um Leasing und Kredit für Daimler-Fahrzeuge zu refinanzieren. Auch die VW Financial Services sammelt über ihre Direktbanktochter Einlagen von Sparern zur Refinanzierung.

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