Historisch schlechte Lage
Leasingbranche: Jahr des Einbruchs

Schon jetzt steht fest, dass dieses Jahr Geschichte schreibt in der Leasingbranche. Nach Jahren des Wachstums ist das Neugeschälft im ersten Halbjahr mit 21 Prozent um mehr als ein Fünftel gesunken. Das gab es zuvor noch nie.

HB FRANKFURT. Eine Kehrtwende zeichnet sich nicht ab, zumal auf dem Automobilmarkt die Abwrackprämie mittlerweile ausgelaufen ist. Mit Prognosen tun sich viele Experten schwer, denn die Unsicherheit ist groß. Das Ifo Institut geht nach dem Einbruch zum Jahreswechsel auch für das kommende Jahr von weiter sinkenden Ausrüstungsinvestitionen aus. Und diese bestimmen zu einem guten Teil die Nachfrage nach Leasing. Auch der Vorstandsvorsitzende der VR Leasing, Reinhard Gödel, rechnet mit einem weiter sinkenden Neugeschäft. „Ich gehe davon aus, dass die Investitionsbereitschaft der Unternehmen kurz- und mittelfristig eher noch ab- als zunimmt.“ Die Zahl an Leasinganfragen, die ein Vorindikator ist, sei in den vergangenen Monaten weiter gesunken.

Doch nicht nur die Nachfrage, auch das Leasingangebot sinkt. Das Rating vieler mittelständischer Unternehmen – der Kernklientel der Leasingbranche – ist bereits gesunken oder dürfte im Zuge der realwirtschaftlichen Krise sinken. Die Zahl der Insolvenzen steigt. Viele Leasinggeber sind wegen dadurch steigender Ausfallrisiken zurückhaltender.

So auch die genossenschaftliche VR Leasing, einer der größten Anbieter in der Branche. „Wir werden eher weniger Neugeschäft machen, weil wir abwarten wollen, bis sich die Wirtschaft erholt.“ Die VR Leasing habe im Schnitt rund 40 Mio. Euro an Ausfällen im Jahr. Für dieses Jahr rechnet sie mit 100 bis 120 Mio. Euro. „Solche Ausfallraten können wir langfristig nicht durchhalten.“ Gödel rechent auch für 2010 mit einem sinkenden Neugeschäft und einer weiteren Verschlechterung der Marktsituation.

Andere dagegen sind optimistischer. So meint der Gechäftsführer der Siemens Finance & Leasing GmbH, Kai-Otto Landwehr: „Ich bin der Meinung, dass sich in den technologischen Bereichen, die ohne Investitionen nicht auskommen, um aus der Krise zu kommen, der Investitionsknoten irgendwann lösen muss.“ Insofern sei er optimistisch, was das Neugeschäft angeht.

Die Entwicklung ist je nach Branche unterschiedlich. Besonders düster sieht es bei vielen Autozulieferern und im Transport- und Speditionswesen aus. Dort haben höhere Mautgebühren und eine Verschärfung der Abgasnorm den Wert der gebrauchten Lastwagen so gesenkt, dass die Leasinggesellschaften die Werte der Güter für den Fall, dass ein Kunde die Leasingraten nicht mehr bezahlen kann, massiv anpassen mussten. Auch für andere Branchen mussten die Hersteller die Bewertung der Leasinggüter anpassen – etwa bei Produktionsmaschinen. Der Grad der Anpassung ist jedoch unterschiedlich.

Beim Neugeschäft seien mit der Automobilbranche vergleichbare Einschnitte in Branchen wie Medizintechnik oder Energie, in denen langfristige Hochtechnologieinvestitionen entscheidend seien, nicht zu verzeichnen, sagt Landwehr und berichtet für sein Unternehmen von einem bislang stabilen Absatzfinanzierungsgeschäft. Dagegen sei in der IT eine sinkende Investitionsbereitschaft erkennbar. Zum Teil können Landwehr zufolge steigende Margen wegen eines geringeren Wettbewerbdrucks ein teilweise schwächeres Neugeschäft und steigende Ausfälle auch kompensieren.

Eine deutliche Konsolidierung in der kleinteiligen Leasingbranche hat es bisher trotz des schlechten Jahres nicht gegeben. Dennoch bleibt die Leasingbranche in Moll gestimmt. Langwierige Debatten wie die um die beschlossene Gewerbesteuererleichterung treffen sie in einer schwierigen Zeit.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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