IFRS-Reform
Rechnungslegung bringt Branche aus der Balance

Sollten die Pläne der internationalen Standardsetzer durchgeführt und die Bilanzierungsregeln verändert werden, drohen den Unternehmen ein höherer Verschuldungsgrad und ein steigender Bilanzierungsaufwand. Leasing-Verträge verlieren an Attraktivität für Unternehmen, die nach IFRS bilanzieren.

WERTHER. Es sieht schlecht aus für deutsche Unternehmen, die ihre Leasing-Objekte nach IFRS bilanzieren müssen. Denn sollten die Pläne der internationalen Standardsetzer durchgeführt und die Bilanzierungsregeln verändert werden, drohen den Unternehmen ein höherer Verschuldungsgrad und ein steigender Bilanzierungsaufwand. Michael Henneberger, Leasing-Experte bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) befürchtet, dass es zu längeren Entscheidungsprozessen beim Leasing und damit zu einer Investitionsverzögerung kommen wird.

"Leasing wird nicht unattraktiver", betont Henneberger. Nur dessen Bilanzierung wird künftig viel aufwändiger. Unternehmen werden sich daher fragen müssen, ob sich das Leasing für sie überhaupt noch lohnt. Denn Leasing verliert sein bislang wohl wichtigstes Verkaufsargument: die Off-Balance-Bilanzierung.

Neue IFRS-Bilanzierung belastet die Leasingnehmer

Im Gegensatz zum Finance-Leasing brauchen sich Unternehmen beim so genannten Operate-Leasing mit der Aktivierung ihrer Vermögenswerte nicht zu belasten. Der Leasing-Geber bilanziert die Leasing-Güter bei sich, für den Leasing-Nehmer verkürzt sich die Bilanz entsprechend. Doch mit dieser Arbeitsteilung ist es - wenn es nach dem Willen der Standardsetzer geht - bald vorbei: Operate-Leasing soll abgeschafft werden. Bereits das Diskussionspapier der Bilanzreform war in 300 Stellungnahmen aus aller Welt in Teilen scharf kritisiert worden. Der Protest scheint umsonst. Der Entwurf, den die Standardsetzer vorgelegt haben, weicht nicht von der kritisierten Vorlage ab. Die neuen Bilanzierungsregeln werden wohl unverändert in Kraft treten.

Ab Juni 2011 und voraussichtlich sogar rückwirkend sollen für Unternehmen, die nach IFRS bilanzieren, neue Rechnungslegungsstandards gelten. Betroffen sind auch bestehende Leasing-Verträge. Die Differenzierung zwischen Operate- und Finance-Leasing existiert dann nicht mehr. Das Off-Balance-Privileg haben nur noch Unternehmen, die nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) bilanzieren. Für alle anderen gilt: In IFRS-Bilanzen müssen Leasing-Güter explizit ausgewiesen werden.

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