IFRS-Reform
Weniger Bilanztricks beim Leasing

Knapp 90 Prozent der Leasing-Verbindlichkeiten werden in den Bilanzen von börsennotierten Unternehmen im deutschsprachigen Raum nicht aufgeführt. Mit der Reform ändert sich das nun - und das mit drastischen Folgen.

WERTHER. Um die Auswirkungen der geplanten Reform der Leasing-Bilanzierung nach IFRS beim Leasing-Nehmer einschätzen zu können, hat die FAS AG im Auftrag der Zeitschrift "WirtschaftsWoche" die Geschäftsberichte 2008 aller in Deutschland, Österreich und Schweiz börsennotierten Unternehmen analysiert. Das Ergebnis: Knapp 90 Prozent der Leasing-Verbindlichkeiten werden nicht in der Bilanz aufgeführt. Allein die 30 deutschen Dax-Unternehmen haben 76 Milliarden Euro ihrer Verbindlichkeiten nicht explizit erfasst. "In den betrachteten Jahresabschlüssen werden insgesamt Leasing-Verpflichtungen in Höhe von 148 Milliarden Euro angegeben, wobei mit 87 Prozent der Löwenanteil der Leasing-Verhältnisse nicht in der Bilanz erscheint", sagt Peter Adolph, Experte bei der FAS AG. Bei manchen kurzfristigen Mietverträgen, Flottenmanagement und Immobilien fehlen Angaben in der Bilanz zum Teil sogar völlig.

Fakt ist, dass Unternehmen künftig ihre Leasing-Verpflichtungen und die korrespondierenden Nutzungsrechte in der Bilanz ansetzen müssen. Der Zinsteil des Leasing-Aufwands kann zwar künftig in das nicht-operative Ergebnis verlagert werden, womit sich der betriebliche Gewinn (EBIT) verbessert. Den positiven Effekt schätzt die FAS AG ausgehend von einem Aufwand von 24 Mrd. Euro auf etwa acht Milliarden Euro. Gleichzeitig steigt jedoch der Verschuldungsgrad der Unternehmen um ein Vielfaches. Die Folge: Die Eigenkapitalquote sinkt und auch andere Finanzkennzahlen verschlechtern sich.

Nur das Kreditrating bleibt davon unberührt. "Die neuen Bilanzierungsregeln für Leasing können sich beim Leasing-Nehmer aus Ratingsicht sogar positiv auswirken", sagt Adolph. "Die aktuelle Pauschalierung führt tendenziell zu einer Überbewertung der Verpflichtungen." Die Ratingagentur Moody?s beispielsweise setzt pauschal das Achtfache des jährlichen Leasing-Aufwands als Schuld an.

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