Investition
Leasingmarkt ordnet sich in der Krise neu

Wer jetzt trotz Konjunkturkrise in Maschinen und Anlagen investiert, spürt die Finanzkrise am eigenen Leib: Nicht nur die Banken zögern bei der Kreditvergabe. Auch Leasing-Anbieter tun sich schwerer, denn auch sie brauchen häufig Fremdkapital für die Refinanzierung. Welche Anbieter für die Krise gut gerüstet sind. Und warum Leasing teurer wird.

KÖLN. In Zeiten restriktiver Kreditvergabe ist Leasing die wichtigste Finanzierungsalternative für Investitionen. Nach Daten des Bundesverbands Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) realisieren mittlerweile zwei Drittel aller Unternehmen in Deutschland einen großen Teil ihrer Anschaffungen über Leasing. Noch präziser erfasst das Münchener Ifo Institut für Wirtschaftsforschung den Markt: Und danach werden heute mehr Maschinen geleast als per Kredit gekauft. Nach Ifo-Daten sind 54 Prozent aller fremdfinanzierten Anlagen Leasing-Objekte.

Die Konjunkturkrise können diesen noch nach oben treiben, denn gerade Mittelständlern ermöglicht Leasing auch in Zeiten knapperer Kredite, geplante Investitionen in Produktionsmaschinen, IT oder Fahrzeuge umzusetzen. Dennoch wird 2009 für die Leasing-Branche ein Jahr großer Herausforderungen. Denn durch die Finanzkrise ist das verfügbare Geld nicht nur für ihre Kunden knapp - die Refinanzierung wird auch für Leasinggeber schwieriger und teurer. Zwar drohe der Branche aktuell noch keine Kreditklemme, aber es werde wesentlich intensiver mit den Banken gesprochen, sagt BDL-Präsident Reinhard Gödel - und deutet an, dass die Gespräche nicht immer positiv verlaufen: "Es ist wichtig, dass den Leasing-Gesellschaften auch künftig ausreichend Refinanzierungsmittel zur Verfügung stehen."

Besonders die unabhängigen Leasinggesellschaften könnten durch die Finanzkrise ins Hintertreffen geraten. Denn ihnen fehlen zur Refinanzierung eigene Mittel, wie sie die banknahen Gesellschaften zum Beispiel über das Einlagengeschäft ihrer Mutterhäuser gewinnen können oder Leasingtöchter von Industriekonzernen aus der eigenen Bilanz. Kleinere Leasingfirmen könnten so aus Kapitalnot vom Markt verschwinden: "In den kommenden fünf Jahren wird sich die Anzahl der nachhaltig profitablen Leasinggesellschaften um 20 bis 30 Prozent reduzieren", schätzt Gerrit Seidel, Sprecher der Geschäftsführung und Leiter des Geschäftsbereichs Financial Institutions der Managementberatung Arthur D. Little.

Auch für Großbanken ist die externe Refinanzierung von Leasinggeschäften schwierig geworden: Sind sie abhängig vom Kapitalmarkt, müssen sie Geld weitaus teurer leihen als vor Beginn der Krise. Einige Kreditinstitute haben sich deshalb bereits aus dem Leasing-Geschäft zurückgezogen. Weitere Absprünge sind aber kurzfristig nicht zu erwarten, schätzt man in der Branche. "Mit den staatlichen Hilfen für die Banken ist auch die Erwartung verbunden, gerade dem Mittelstand notwendige Finanzierungen zur Verfügung zu stellen", sagt Martin Starck, Geschäftsführer der LBBW Leasing GmbH, einer Tochter der Landesbank Baden-Württemberg: "Und das kann auch durch Leasing geschehen."

So sei zu erwarten, dass Banken unterm Rettungsschirm auch bei widrigen Refinanzierungs-Umständen das Leasing-Geschäft aufrechterhalten. Das verlangt auch der Branchenverband BDL: "Es kann nicht angehen, dass etwa Landesbanken aus dem Refinanzierungsgeschäft der Leasing-Branche aussteigen und gleichzeitig den Banken-Rettungsschirm der Bundesregierung in Anspruch nehmen", sagt BDL-Präsident Reinhard Gödel, der zugleich als Vorstandsvorsitzender der Volksbankengesellschaft VR-Leasing vorsteht.

Wer jetzt einen Leasing-Vertrag für zehn Jahre abschließt, sollte gleichwohl aufpassen, dass sein Leasing-Partner auch in zehn Jahren noch existiert. Bei den Töchtern der Sparkassen und Volksbanken sind die Aussichten darauf besonders gut, schätzen Experten. Weil sie zur Refinanzierung besonders stark auf Einlagen ihrer Kunden zurückgreifen, haben sie in der Finanzkrise weitaus weniger Probleme damit, an Geld zu kommen. Auch bei herstellerabhängigen Gesellschaften sind Leasing-Nutzer gut aufgehoben - jedenfalls solange des dem Mutterkonzern gut geht: Die Töchter von IT- oder Anlagenbauern refinanzieren sich schließlich ebenso interne über die Bilanz der Mutter.

Eine Folge hat die Finanzkrise freilich für die gesamte Branche: Leasing wird teurer werden: "Steigende Kreditkosten schränken den Handlungsspielraum der Leasing-Anbieter ein", sagt Friedhelm Westebbe, Geschäftsführer des BDL. Vor allem Neukunden müssen deshalb mit höheren Raten rechnen. Und obwohl die Leasing-Branche wegen der gedämpften Investitionslaune der Unternehmen für 2009 erstmals kein Wachstum erwartet, ist die Chance auf Sonderrabatte oder Zusatzservices nicht besser als in guten Jahren: "So schlecht, dass die Anbieter mit Sonderangeboten auf Kundenfang gehen müssen, ist die Stimmung noch nicht", sagt Westebbe. Es komme auch weiterhin auf das Verhandlungsgeschick der Unternehmer an, die besten Konditionen rauszuholen.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%