Leasing-Branche
Reform könnte neue Konsolidierungswelle auslösen

Die IFRS-Reform bedeutet das Aus für Off-Balance-Finanzierungen. Die Branche verliert so einen ihrer wichtigsten Vorteile gegenüber anderen Finanzierungsformen. Vertreter der Leasing-Unternehmen befürchten, dass die Standards zu einer massiven Investitionsbremse werden. Doch für viele Leasing-Nehmer ist die neue Transparenz von Vorteil.

WERTHER. Die Leasing-Branche verliert mit der Reform der internationalen Rechnungslegungsvorschriften IFRS und dem Aus für das so genannte Operate-Leasing einen ihrer wichtigsten Vorteile gegenüber anderen Finanzierungsformen: die Off-Balance-Finanzierung. Künftig werden Unternehmen für das Operate-Leasing daher nicht mehr jeden Preis akzeptieren. In der Vergangenheit hatte sich die Branche diesen Service gut bezahlen lassen. "Das Problem ist die Budgetierung", sagt Leasing-Experte Peter Adolph von der FAS AG.

Bisher wurden Güter für gleichbleibende Raten geleast und das Budget über mehrere Jahre belastet. "Die Reform schreibt die Aktivierung des vollen Nutzungsrechts vor, was das Budget der Einkäufer grundsätzlich in voller Höhe sofort belastet", erklärt Adolph. Zusätzlich führe die Reform zu einem vorgezogenen Aufwand beim Leasing-Nehmer. Die Folge: Die Betriebskosten steigen und der Gewinn sinkt. Ähnlich wie bei einer kreditfinanzierten Anschaffung. "Das kann die Entscheidungsfreiheiten von Einkäufern empfindlich einschränken", sagt Adolph.

Und das ist noch nicht alles: Je länger das Nutzungsrecht währt, desto höher sind die Schulden, die in Ansatz gebracht werden müssen. "Nutzungsrechte limitieren" heißt daher die Devise, die die bisherige Forderung nach Off-Balance ersetzen wird. "Wenn Leasing-Nehmer kürzere Verträge oder weniger Risiken haben wollen, wird Leasing teurer werden", vermutet Adolph. "Allerdings muss auch an die Vorteile des Leasing gedacht werden: Hohe Flexibilität, Schonung der Liquidität und Technik auf dem neuesten Stand."

Investitionsrückgang befürchtet

Martin Vosseler, Geschäftsführer beim Bundesverband Deutscher Leasing e.V. -Unternehmen (BDL) befürchtet dennoch, dass die Standards zu einer "massiven Investitionsbremse" werden. Denn ein Drittel des Marktvolumens von Leasing-Gebern wird nach IRFS bilanziert. Insbesondere die Hersteller-Leasinggesellschaften (Captive) sollen davon betroffen sein. Da sich deren Aufwand durch die Neuregelungen erhöhen dürfte, steigen nicht nur ihre Kosten sondern auch die Leasing-Raten.

Gleichzeitig nimmt der Konkurrenzdruck zu: "Denn um ihre Verbindlichkeiten zu minimieren, werden Unternehmen auf ein Auseinanderdividieren von Leasing und Service drängen", sagt Sven Hayn, Leiter der IFRS-Grundsatzabteilung bei Ernst & Young. Bei Full-Service-Leasing wird beides in einer einzigen Rate ausgewiesen. "Es ist gängige Praxis, nicht nur IT-Anlagen oder Flotten zu leasen, sondern im Rahmen von Outsourcing auch den entsprechenden Service dazuzubuchen", erklärt er.

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