Leasing von Medizintechnik
Rechenaufgabe für Ärzte

Die medizinischen Geräte in vielen Krankenhäusern und Arztpraxen sind veraltet, der Investitionsstau soll bis zu 30 Milliarden Euro betragen. Leasing ist eine gute Option, weil die Geräte schnell veralten. Ärzte wählen jedoch häufig die falsche Vertragsart - und zahlen drauf.

WERTHER. Die Geräte in deutschen Krankenhäusern und Arztpraxen sind unwirtschaftlich und überaltert. Der Medizintechnikverband Spectaris schätzt den Investitionsstau auf 30 Mrd. Euro. Auf Grund des steigenden Fremdfinanzierungsbedarfs könnte das Medizingeräteleasing jährlich um 20 Prozent wachsen.

"Leasing ist für viele Krankenhäuser und Arztpraxen ungewohnt", sagt Udo Dewein von der Ratingagentur Lease Control. Eine Studie von Siemens Financial Services belegt: In Deutschland sind vier Mrd. Euro im Gesundheitssektor eingefroren, weil Finanzierungslösungen für Investitionsgüter nicht adäquat genutzt werden. Geräte werden gekauft und jahrelang abbezahlt; und veralten dabei.

Angesichts der immer schnelleren technologischen Entwicklung ist Leasing eine Option. Aber nur beim so genannten Operate Leasing werden die Geräte nach kurzer Zeit ausgetauscht. Operate Leasing erzielt keine vollständige Tilgung während der Laufzeit, ist daher günstig und belastet nicht die Bilanz. Die Vollamortisation liegt beim Leasinggeber, der die Geräte weiter vermieten oder verkaufen kann. Bei einem verdeckten Test von Lease Control boten aber nur sechs von 53 Leasinggesellschaften Operate an. Gründe: Viele finanzieren sich über fremde Banken - bei einem offenen Restwert ist die Refinanzierung problematisch. Andere beherrschen das Remarketing in Sekundärmärkten nicht.

Sie setzen stattdessen Voll- und Teilamortisationsverträge ein, die die Risiken auf den Leasingnehmer abwälzen. Erstere Verträge haben sich am Laufzeitende für den Leasinggeber amortisiert, sodass es für ihn keine Rolle spielt, ob das Gerät beim Leasingnehmer bleibt. Will dieser das, muss er einen Restbuchwert von zehn Prozent zahlen. Bis sich das Gerät für den Arzt lohnt, ist es veraltet. Auch Teilamortisationsverträge stellen den Leasinggeber besser. Sie verschieben Kosten in die Zukunft. "Solche Verträge locken mit relativ niedrigen Leasingraten. Doch am Ende zahlt der Leasingnehmer drauf", warnt Dewein. Auch hier geht das Gerät am Ende meist in den Besitz der Praxis über. "Dass solche Leasingverträge die Bilanz und das Rating belasten, ist vielen Ärzten nicht bewusst", so Dewein. "In ihrer Ausbildung haben viele nicht gelernt, kaufmännisch zu denken", bestätigt Peter Wetzel von der auf Heilberufe spezialisierten Advisa Steuerberatung. Das kommt einigen Leasinggesellschaften gelegen.

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