Leasing von Vieh
Frühstückseier vom gemieteten Huhn

Etwa 13 Monate lebt ein Huhn im Durchschnitt. Genauso lange läuft der Vertrag, den man über ein solches Huhn abgeschließen kann - es handelt sich dabei um einen Leasingvertrag. Denn auch in der Landwirtschaft hat mittlerweile Einzug gehalten, was in anderen Sektoren wie zum Beispiel der Automobilbranche alltäglich ist: Die Finanzierung von Eierproduzenten läuft über Leasingverträge.

HB FRANKFURT. Das geleaste Huhn ist Teil des Landwirtschaftsgeschäfts der Firma Leasconcept. Zwischen zehn und 15 Prozent hoch sei der Anteil des Landwirtschaftsleasings am Gesamtgeschäft, davon wiederum sind fünf Prozent Legehuhn-Leasing, sagt Daniel van Wyk, Leasconcept-Geschäftsführer. "In den vergangenen Jahren steigt die Nachfrage nach dem Huhn-Leasing", so van Wyk. Seit 2006 bietet das Unternehmen diese Art des Leasings an. Zwischen 30 und 40 Cent im Monat kostet ein geleastes Huhn.

Übertragbar ist dieses Konzept auch auf andere Tiere, die rechtlich als Gegenstände gelten und somit vermietet werden dürfen: Das Milchkuh-Leasing gibt es laut van Wyk schon seit etwa zehn Jahren. Hier läuft der Vertrag dann aber 30 Monate.

Das Modell funktioniert auch im kleinen Rahmen, als Leasing für den Privatmann: Wer seinen eigenen Wein herstellen möchte, muss dafür nicht unbedingt Weinbau studiert haben und einen Steilhang an der Mosel besitzen. Stattdessen hilft auch hier Leasing weiter - mit dem Weinstock auf Zeit. Für ein Jahr oder gleich mehrere Jahre kann man die Rebe mieten.

Christoph Schneider stellt seinen Wein für ein solches Angebot zur Verfügung. Der Winzermeister aus dem rheinland-pfälzischen Neumagen-Dhron an der Mosel kam bereits im Jahr 1996 als einer der ersten auf die Idee mit dem Weinstock-Leasing. Mindestens drei Stöcke müssen die Kunden bei ihm mieten, pro Rebstock für 22 Euro. Ab sechs wird es günstiger - 19 Euro pro Rebstock. Wer will, kann auch das Etikett mitgestalten, zum Beispiel mit einem Foto, stehend neben den eigenen gemieteten Trauben - die für die Zeit des Leasingvertrags auch den eigenen Namen tragen.

Finanziell lohnt sich das Geschäft weniger, Geld verdient Schneider mit der ganzen Sache nicht. "Wir machen das zur Eigenwerbung. Man lernt neue Kunden kennen, kann eine enge Bindung aufbauen", sagt der Winzer. Bei den Kunden kommt das Geschäft gut an: 650 Leasingnehmer zählt das Weingut Schneider-Kranz heute. Jeder bekommt am Ende der Saison den Ertrag aus einem Jahr Weinstock-Leasing: Zwei Flaschen Riesling, natürlich mit Anteil der eigenen Trauben.

Das geleaste Huhn und der geleaste Wein stehen in einer Reihe ungewöhnlicher Güter in der Branche: Wer in einem Oldtimer über die Straße brausen will, kann den ebenso leasen wie Ölgemälde und Lichtmaschinen, Lizenzen und Patente.

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