Leasinganbieter
Der Pkw-Restwert ist die größte Sorge

Die Finanzkrise hat in der Leasingbranche tiefe Spuren hinterlassen. Geldsorgen und die Abwrackprämie haben den Gebrauchtwagenmarkt in Deutschland ruiniert. Für zurückgegebene Wagen bekommen die Leasinganbieter nicht mehr viel; der Restwert ist dramatisch gesunken. Die Unternehmen müssen laufende Verträge neu kalkulieren. Experten rechnen erst ab 2011 mit einem Aufschwung.
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FRANKFURT. Der massive Preisverfall setzt auch kleine Leasingfirmen unter Druck, die ihre gebrauchten Flottenfahrzeuge nun nicht mehr zu den einst kalkulierten Preisen verkaufen können. Nach einer Umfrage der Lease Trend AG ist der Restwert der Fahrzeuge das größte Problem der Branche. So gaben 63 Prozent der befragten Autohändler die Restwerte als Hauptsorge an. Das Problem ist für die Branche zwar nicht ganz neu. "Aber die Finanzkrise hat wie ein Beschleuniger gewirkt", sagt Gerhard Fischer, Chef der Lease Trend. "Für viele Anbieter stimmt einfach die Kalkulation nicht mehr."

Denn der prognostizierte Wiederverkaufswert eines Autos bestimmt die Höhe der monatlichen Leasingraten. Die Restwerte liegen jedoch momentan unter dem zu Vertragsbeginn errechneten Betrag - das bedeutet Verlust. Neben den Restwerten (genannt von 63 Prozent) werden in der Umfrage Überkapazitäten der Pkw-Hersteller (69 Prozent) sowie der massive Preiskampf (57 Prozent) in der Autobranche als weitere Probleme genannt.

Jetzt ist vor allem die Refinanzierung der Leasinganbieter gefährdet. Jeder fünfte hofft auf mehr Unterstützung der Banken. Vielen Anbietern fehlt wegen der Kreditklemme das nötige Geld. Zudem sei das Zinsniveau im vergangenen Jahr deutlich gestiegen, sagt Fischer. Die Refinanzierung sei schwieriger geworden, auch weil sich die Landesbanken aus dem Geschäft zurückgezogen hätten. Am meisten setzten die unabhängigen Leasingfirmen aber auf ein Umdenken bei den Autoherstellern. Sie haben mit ihren eigenen Leasingtöchtern und günstigen Angeboten die Konkurrenz immer wieder unter Druck gesetzt. Doch mit geringen Restwerten können auch sie nicht leben. Und nach dem Auslaufen der staatlichen Abwrackprämie sinken die Pkw-Absätze: Im März lagen die Neuzulassungen in Deutschland mit 26,6 Prozent deutlich unter dem Wert des Vorjahres.

Experten glauben, dass die Leasingraten bis Jahresende um bis zu 15 Prozent steigen werden. Viele Leasing-Kunden haben im vergangenen Jahr auf Grund der wirtschaftlichen Lage abgewartet und bestehende Verträge verlängert. Die Quote der Leasing-Verlängerungen stieg von 20 Prozent auf 60 Prozent. "Da schlummert eine Menge Potenzial", so Fischer. Diese Kunden würden spätestens 2011 wieder neue Leasingverträge abschließen.

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  • Also, dass die Abwrackprämie neben der Krise hauptursächlich für die Lage sei, halte ich für vorgeschoben. Die Abwrackprämie hat bewirkt, dass sehr viele alte Autos vom Markt sind. Dadurch sind in sehr vielen Segmenten die Preise erheblich gestiegen. Sicherlich haben auch einige potentielle Kunden sich statt einem gebrauchten (aus einem auslaufenen Leasingvertrag) einen Neuwagen gekauft. Dem gegenüber steht aber die verringerte Konkurrenz.

  • Und vor allen Dingen die Umweltvergeudung, weil gute funktionsfähige Wagen verschrottet werden und neue Urwälder gerodet werden müssen um Aluminium oder anderes Rohstoffe zu gewinnen.
    Umsiedlungen in indien sind aufgrund des Aluminiumsabbaus die Folge, laut Medienberichten.
    iG Metall sind gute Menschen, gel?

  • in Deutschland sind grundsätzlich die Automobilhändler zur Rücknahme des Leasingfahrzeuges verpflichtet. Die KFZ-Hersteller bestimmen die Leasingraten und drücken über erhöhte Restwerte die Neuwagenpreise. Der Händler muss dann den Leasingrückläufer zu hohen Preisen dem Hersteller abnehmen. Gleichzeitig fallen die Preise der Gebrauchtwagen als Folge der vorher gefallen Neuwagenpreise. Zum Teil helfen noch bewertungsgesellschaften wie Dekra und Schwacke mit seinen Gebrauchtpreislisten mit, die Fahrzeuge überzubewerten. Der Händler muss dann hohe Verluste beim Verkauf der Geprauchtwagen hinnehmen. Wie den Händler von den verschiedenen Herstellern die Leasingkonditionen praktisch aufgezwungen werden, ist unterschiedlich, doch zumeist kann sich der Händler als der schwächere Part in diesem "Spiel" nicht wehren. Leasing hast einen grossen Anteil daran, wie die Hersteller ihre Überproduktion in den Markt drücken und andere die Kosten dafür tragen lassen.
    Ausserdem ist Leasing quasi ein Finanzprodukt mit dem man Verluste in die Zukunft schieben kann. Harald hat völlig recht, da ticken riesige Restwertbomben - absolut toxisch. bMW z.b hat in den USA (dort müssen die Herstellerbanken - anders als in Deutschland - die Leasingrückläufer selbst zurücknehmen) bereits mehr als eine Milliarde Dollar zurückgestellt.
    in Deutschland hat ein enormer insolvenzschub bei den Händlern eingesetzt, inzwischen stützen jedoch Hersteller immer öfter Händler, weil die insolvenz dem Hersteller noch teuerer kommen würde. Allerdings geraten viele Händler dadurch nur noch weiter in eine Abhängigkeit zum Hersteller oder werden gar ganz übernommen - die MAHAG mit über 40 Standorten ist dafür ein beispiel, wie das sogar sehr grossen Autohäusern passieren kann.
    Mit der Finanzkrise hat das überhaupt nichts zu tun. Journalisten wird das von den Herstellern jedoch so erklärt. Leider wissen Journalisten über dieses Thema recht wenig bescheid, da es recht komplex ist, viel Recherche bedarf und die Presseabteilungen der Hersteller den ball bei diesem Thema verständlicherweise flach halten. Dadurch ist dieses Problem auch in der Öffentlichkeit so gut wie nicht bekannt.

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