Neue Regeln für Leasinggesellschaften
Mehr Vorteile durch neue Bilanzregeln

Leasinggesellschaften und deren Kunden müssen sich auf neue Regeln einstellen. Denn mit dem Regierungsentwurf zum Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz hat der Gesetzgeber die umfassendste Änderung des Handelsgesetzbuchs seit mehr als 20 Jahren in die Wege geleitet.

FRANKFURT. Zwei Änderungen sind dabei für die Branche besonders wichtig: Das bisherige Aktivierungsverbot für selbsterstellte immaterielle Vermögensgegenstände wird abgeschafft und durch eine Aktivierungspflicht (Regierungsentwurf) beziehungsweise ein Aktivierungswahlrecht (Auffassung des Bundesrates) ersetzt. Profitieren werden davon insbesondere Leasinggesellschaften, die zum Beispiel ihre Verwaltungssysteme, Marketing- und Controllingtools selbst entwickeln. Sie können ihre Investitionskosten künftig teilweise aktivieren. Folge: Das Eigenkapital steigt und die Bilanzrelationen verbessern sich. Allerdings dürfen nur die Entwicklungskosten, nicht jedoch Forschungskosten aktiviert werden.

In punkto aktiver latenter Steuern galt im Einzelabschluss bisher ein Aktivierungswahlrecht. Dieses soll nach dem Regierungsentwurf durch eine Aktivierungspflicht ersetzt werden. Zudem sind Verlustvorträge in die Bemessung der aktiven latenten Steuern einzubeziehen und Verrechnungsmöglichkeiten mit passiven latenten Steuern entfallen. Betroffen von dieser Neuregelung sind insbesondere Leasinggesellschaften mit steuerlichen Verlustvorträgen - beispielsweise im Zuge eines starken Neugeschäfts und den dabei anfallenden degressiven Abschreibungen. Auf die steuerlichen Verlustvorträge müssten dann - künftige Nutzbarkeit in den nächsten fünf Jahren vorausgesetzt - aktive latente Steuern gebildet werden.

Durch diese zwei wesentlichen Neuregelungen könnten die Jahresergebnisse sowie das Eigenkapital vieler Leasinggesellschaften steigen. Geplante Ausschüttungssperren verhindern zwar, dass Anteilseigner davon direkt profitieren. Die verbesserten Bilanzrelationen wirken sich jedoch positiv auf die Refinanzierung der Leasinggesellschaft aus, wobei die genannten Änderungen lediglich einen Bruchteil der HGB-Reform darstellen.

Erwähnt seien an dieser Stelle noch die Vorschriften zu den Rückstellungen. Während die in der Praxis nicht sehr verbreiteten Aufwandsrückstellungen in Zukunft grundsätzlich entfallen, werden Pensionsrückstellungen in der Regel höher bewertet - dies hat eine Reduzierung des bilanziellen Eigenkapitals zur Folge.

Patricia Dotti ist Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin, Michael Henneberger Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Partner bei der PricewaterhouseCoopers AG.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%