Regelverschärfungen
Kleine Leasing-Gesellschaften büßen Wirtschaftlichkeit ein

Die Regelverschärfungen durch die Bafin sowie die Wirtschafts- und Finanzkrise haben die Geschäftsgrundlage der kleinen und mittelgroßen Leasing-Gesellschaften in Deutschland erheblich verändert. Weniger Refinanzierungspartner und ein größerer administrativer Aufwand stellen sie wirtschaftlich in Frage. Wie die Gesellschaften trotzdem eine Zukunft haben.

ESSEN. Im Rahmen einer kapitalmarktgesteuerten Refinanzierung ist es für die großen Leasing-Gesellschaften mehr denn je notwendig, hohe Volumina mit gleichartigen Objektklassen am Markt zu platzieren. Durch diese Fokussierung geht ihnen häufig die Flexibilität und die Individualität in der Betreuung ihrer Kunden verloren. Die daraus resultierende Angebotslücke, welche insbesondere die kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) trifft, haben bisher freie Leasing-Gesellschaften geschlossen. Hierzu entwickelten sie regionale und branchenbezogene Netzwerke oder Kombinationen daraus. Diese über Jahre gewachsenen Verbindungen basieren häufig auf einem Vertrauen, das große Gesellschaften durch ihre wechselnde Geschäftspolitik nicht aufbauen können. Darüber hinaus verhandeln die Mitarbeiter freier Leasing-Gesellschaften mit ihren mittelständischen Kunden auf Augenhöhe.

Die Gründe für die bedrohte Existenz vieler freier Leasing-Firmen sind das - in Folge verhaltener Investitionstätigkeit während der Finanzkrise - stark reduzierte Neugeschäft, die strengere Regulierung durch die Bafin sowie der Rückzug vieler Refinanzierungsbanken.

Hauptsächlich sind es die regulatorischen Anforderungen der Bafin, die den freien Leasing-Gesellschaften zum Teil erhebliche Anstrengungen abverlangen. Um diese wirtschaftlich darstellen zu können, sind Betriebsgrößen erforderlich, die insbesondere kleinere Akteure am Markt selten erreichen. Zusätzlich ist die Suche nach neuen Refinanzierungsquellen schwierig. Die Folge ist die Marktkonsolidierung - einerseits durch den Verkauf von freien Leasing-Gesellschaften an Wettbewerber, andererseits durch die Liquidation unrentabler Gesellschaften. Der dadurch künftig eher abnehmende Wettbewerb auf dem Leasing-Markt sollte vor allem die Mittelständler in Deutschland treffen und in ihrer Geschäftstätigkeit negativ beeinflussen.

Genossenschaften bieten Vorteile

Der Paradigmenwechsel innerhalb der Branche und die damit verbundenen Herausforderungen bieten allerdings auch Chancen: Zum Beispiel die in anderen Märkten bereits etablierten, horizontalen Kooperationen und Verbundgruppen. Mithin könnte eine so genannte Leasing-Genossenschaft viele frühere Vorteile erhalten und gleichzeitig im Verbund dafür sorgen, die neuen Herausforderungen der Branche zu meistern.

Kooperationen und Verbundgruppen schaffen Mehrwerte, wenn sie eine effiziente Arbeits- und Aufgabenteilung zwischen Zentrale und Partnern sicherstellen. An ihren Verbundgruppen sind die Partner meist beteiligt. Für die Leasing-Branche hätte diese neue Form der Organisation den Vorteil einer klaren Abgrenzung von der reinen Vermittlertätigkeit zu einem echten Verbundpartner. Gleichzeitig kann sich der integrierte Partner wieder auf sein Kerngeschäft konzentrieren.

Sven Romberg ist Vorstand der leasepartner AG, Thilo Wörn ist Professor für Finanzierung an der FHOEV Gelsenkirchen.

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