Schwierige Diagnose
Leasing-Branche im Sturm der Krise

Die erfolgsverwöhnte Leasingbranche steht vor harten Zeiten. Während die Spezialfinanzierer in der Vergangenheit auf profitables Wachstum programmiert waren, zeichnet sich nun eine Abkühlung ab.

HB FRANKFURT. "Das Neugeschäftswachstum war schon im letzten Quartal 2008 etwas rückläufig. Im ersten Quartal 2009 erwarten wir rund zehn Prozent weniger Neugschäftsabschlüsse als im noch guten ersten Quartal 2008", sagt Friedhelm Westebbe, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes BDL, gegenüber dem Handelsblatt. Zwar sei der Einfluss der Finanzkrise nicht isoliert abzuschätzen. Ein nenneswerter Anteil der Verbandsmitglieder - ungefähr ein Fünftel - habe jedoch bei einer Umfrage mitgeteilt, dass die schwierigere Situation bei der Refinanzierung Einfluss auf die Neugeschäftsplanung für 2009 hat.

Branchenbeobachter registrieren vor allem im Ausland deutliche Schwächen, dagegen läuft es im Inland - etwa bei Kommunikations- und Medizintechnik - weiterhin recht gut. Mittelfristig sieht Westebbe sehr gute Wachstumschancen für Leasing in Deutschland. Dies liege an den "sehr interessanten Produktmerkmalen", die bereits in den vergangenen Jahrzehnten ein kontinuierliches Anwachsen des Marktanteils ermöglicht hätten.

Außerdem erwartet die Branche aus der neuen Rolle als beaufsichtigte Finanzdienstleistungsinstitute zusätzliche Chancen durch eine verbesserte Zusammenarbeit mit den Förderbanken. Die steigenden Anforderungen an die unterstützenden IT-Systeme und die wachsenden Erwartungen der Kunden an differenzierte Serviceleistungen sowie die erhöhten Anforderungen an das Risikomanagement würden gleichzeitig die Eintrittsbarrieren für neue Marktteilnehmer erhöhen, meint Westebbe.

Auch Kai Ostermann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutsche Leasing AG, konstatiert, dass die Finanzkrise mittlerweile voll in der Realwirtschaft angekommen sei. In diesem schwierigen Umfeld seien die Kunden mit Investitionen vorsichtig geworden und würden diese eher verschieben. "Für uns heißt dies: Unser Neugeschäftsvolumen steigt nicht mehr im gewohnten Ausmaß", so Ostermann. Einschränkungen gegenüber der bisherigen Kreditvergabe und Risikopolitik gebe es allerdings nicht. "Wenngleich wir auch feststellen müssen, dass erstmals seit Jahren die Ausfälle über unseren Erwartungen liegen", so Ostermann.

Gleiches gelte für Leistungsstörungen bei laufenden Verträgen. Sollte das Leasingvolumen bei Ausrüstungsinvestitionen in diesem Jahr sinken, wird dies vor allem an steigenden Ablehnungsquoten liegen - wegen der schlechteren Bonitäten und der höheren Risiken der Leasingnehmer -, weniger an einer sinkenden Nachfrage, meint Kai Otto Landwehr, Geschäftsführer der Siemens Finance & Leasing GmbH.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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