
Budapest«Wir haben schon das Gefühl, dass wir da vorankommen», sagte Haug der Nachrichtenagentur dpa am Freitag auf dem Hungaroring. Der Rennstall des schwäbischen Autobauers will für seine Aufholjagd eine Reihe von Fachkräften für die Entwicklung des Silberpfeils einstellen. Haug versicherte jedoch, dass dieser Schritt keine Abkehr von der Ressourcengrenze in der Formel 1 sei. «Wir sind noch nicht am Limit gewesen», sagte der 58-Jährige.
39 Positionen hat der Rennstall ausgeschrieben, Berichte über bis zu 100 Neueinstellungen wies Haug zurück. Ohnehin sei es nicht leicht, die gewünschten Experten anzuheuern. «Die Leute stehen nicht auf der Straße», sagte der Mercedes-Mann. Mit dem Umbruch zieht das Team die Konsequenzen aus dem misslungenen Angriff auf die WM-Spitze. Die Führung des Rennstalls habe «gemerkt, dass wir es so doch nicht schaffen, Weltmeister zu werden», sagte Pilot Nico Rosberg. «Es wird in allen Bereichen verstärkt. Das braucht Zeit», fügte er hinzu.
Der Wiesbadener ist vor dem elften Saisonrennen in Ungarn am Sonntag WM-Siebter, hat aber bereits 170 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Sebastian Vettel. Rekordchampion Michael Schumacher liegt als Zehnter 184 Zähler zurück. «Wir müssen vor allem unsere Hausaufgaben bei den Fahrzeugen machen», hatte Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche in der Vorwoche gefordert.
«Ich habe Dr. Zetsche gesagt, dass wir unsere Zielsetzung 2011 - Stand heute - nicht erreichen werden», sagte Teamchef Ross Brawn nun der «Bild»-Zeitung. Der Brite räumte ein: «Ja, ich habe auch Fehler gemacht.» Der Übergang seit der Übernahme seines Weltmeister-Teams Brawn GP durch Mercedes habe «zu lange gedauert».
Vor der vierwöchigen Sommerpause hoffen die Silbernen nun auf einen Aufbruch in bessere Zeiten. «Die richtigen Schritte sind eingeleitet. Ob sie greifen, werden wir in Zukunft rausfinden», meinte Routinier Schumacher. Längst wird in der Rennfabrik am Auto für 2012 gearbeitet. Motorsportchef Haug warnte allerdings vor überzogenen Ansprüchen. «Man kann keinen Quantensprung erwarten», sagte er.
Im Freitagstraining reihte sich Mercedes erneut hinter den Autos der drei Top-Teams Red Bull, McLaren und Ferrari ein. Rosberg fuhr zweimal auf Rang sieben, Schumacher wurde jeweils Achter. «Wir sind noch nicht, wo wir sein wollen», sagte Haug und stellte die Aufgabe für das Wochenende: «Auf eine schnelle Runde geht es einigermaßen im Rahmen unseres aktuellen Leistungsstands - aber über die Distanz müssen wir bis Sonntag konstanter werden.»