Anstoß - Die EM-Kolumne
Klose oder Gomez - eine Frage der Philosophie

Keine Frage, Mario Gomez war gegen Portugal der Matchwinner. Für das Spiel gegen die Niederlande bedeutet das aber nichts. Bundestrainer Joachim Löw wird die Stürmerfrage von Grund auf neu beantworten - aus guten Gründen.
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DüsseldorfAuch wenn der Vergleich optisch ziemlich hinkt: Mario Gomez durfte sich im deutschen Auftaktspiel wie das sprichwörtliche Kaninchen fühlen, dass Joachim Löw aus seinem Hut zog. Kaum ein Fan oder Fachmann hatte mit dem Bayern-Stürmer gerechnet, zu treu stand der Bundestrainer in den vergangenen Jahren hinter Miroslav Klose – unabhängig von dessen Fitnesszustand oder Form.

Und Gomez durfte sich nach dem Spiel als Schütze des einzigen Treffers als großer Gewinner fühlen. Kritiker wie der ARD-Experte Mehmet Scholl, der die mangelnde Laufleistung des 26-Jährigen bemängelte, sahen das anders - zu Unrecht. Wer Gomez‘ zweifelsohne erfolgreiche Spielweise als zu passiv bemängelt, müsste auch Manuel Neuer den Vorwurf machen, er würde zu selten auf das gegnerische Tor schießen.

Gomez hat andere Stärken als das Kombinationsspiel oder den tödlichen Pass. Der Deutsch-Spanier ist ein eiskalter Vollstrecker, ein One-Touch-Fußballer, der Bälle aus jedem Winkel und mit jedem Körperteil verwandeln kann. Nicht viel mehr, aber auch nicht weniger. Deswegen war es auch berechtigt, dass Löw gegen die körperlich starken und kompakt stehenden Portugiesen auf den Brecher setzte.

Gegen die Niederlande sieht es allerdings anders aus. Nach der Auftaktniederlage gegen Dänemark sind die deutschen Nachbarn unter Zugzwang, alles andere als ein Sieg wäre wohl gleichbedeutend mit einem vorzeitigen Ausscheiden. Die Niederlande kann nur offensiv und hat gegen Deutschland auch keine andere Wahl mehr. Deswegen wäre es nur konsequent, wenn Joachim Löw wieder auf Miroslav Klose setzen würde.

Der Römer ist der deutlich bessere Kombinationsspieler, lässt sich gerne fallen und harmoniert besonders im Zusammenspiel mit Mesut Özil und Thomas Müller. Die zwangsläufig auftretenden Räume würde ein mitspielender Stürmer wie Klose besser nutzen können als ein im Strafraum lauernder Angreifer wie Gomez.

Bundestrainer Löw hat in den letzten Jahren immer wieder klar gemacht, dass sein System über den Spielern steht. Eine Nominierung von Klose heute Abend wäre deswegen keine Überraschung und nur die konsequente Fortführung dieser Philosophie – auch wenn Mario Gomez das wahrscheinlich anders sieht. Der könnte dann gegen Dänemark wieder das Kaninchen sein.

Patrick Kleinmann
Patrick Kleinmann
Handelsblatt Online / Freier Journalist

Kommentare zu " Anstoß - Die EM-Kolumne: Klose oder Gomez - eine Frage der Philosophie"

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  • Goooooooommmmeeeeeeezzzzzz......Wer sonst ?????

  • Ganz schön viel Mist was sie hier schreiben einen Stürmer mit einem Torwart zu vergleichen und dann werfen Sie das beste Argument Gomez eigentlich in keinem Spiel von Anfang an aufzustellen hinterher("Gomez hat andere Stärken als das Kombinationsspiel oder den tödlichen Pass") ja und genau mit diesen fähigkeiten hätten wir nicht halb so viele Problemge gegen Portugal gehabt. Vielleicht hätten sie noch schreiben sollen das es genau diese Fähigkeiten sind die das deutsche Spiel laut Löw ausmachen sollen und nicht dieser Altherrenfussball der nicht nur nicht schön ist sondern auch nicht halb so oft zum Erfolg führt. Wenn man ihrer Argumentation folgt hätte eigentlich Klose gegen Portugal auf dem Platz stehen müssen weil deren Abwehr um einiges Kompakter ist als die der Niederländer und somit durch besagtes Kombinationsspiel viel besser zu knacken gewesen wäre. Mario gomez, ein Knipser? Garantiert, nur passt diese Art Spiel nicht in das deutsche Spielsystem das dadurch viel von seiner Offensivkraft und Spritzigkeit verliert. Aus diesen ganzen Gründen finde ich halt subjektiv(ironie off) nicht das Mario Gomez der Matchwinner is sondern was die Offensivabteilung anbelangt eher der Fehrlierer ist bzw sein wird.

  • Weder Gomez noch Klose stehen in der Startformation, sondern Götze und Reus - Falls nicht, gewinnt Holland das Spiel!

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