Anstoß - Die EM-Kolumne
Monty Python's Flying Football

Heidegger gegen Platon, Kant gegen Aristoteles – und mittendrin der Kaiser. Vor dem Spiel Griechenland vs. Deutschland kommt ein Jahre alter Sketch wieder zu Ehren. Darin zeigen sich die Hellenen erstaunlich pragmatisch.
  • 0

DüsseldorfKlischees sind für Journalisten, Politiker und Humoristen gleichermaßen etwas Wundervolles. Presse und Politik bemühen sie gerne, wenn es auf oder gegen etwas einzuschwören gilt. Humoristen arbeiten sich mal mehr, mal weniger gelungen daran ab. Im Vorfeld des EM-Viertelfinals gegen Griechenland werden die Klischees wieder einmal wie die sprichwörtliche Sau durchs Dorf getrieben werden. Von Gyros bis Mykonos, Sparta bis Euro-Krise, es wird von allem etwas dabei sein. Und nicht nur auf deutscher Seite. 

Für mich überraschend hat das deutschsprachige Web (ja, ich weiß, keine Verallgemeinerung) einen Klassiker des Monty Python Flying Circus wieder ausgegraben. Es geht um ein Fußballspiel zwischen Deutschen und Griechen – nur treten die berühmtesten Philosophen des jeweiligen Landes dabei gegeneinander an. Ich hatte das Spielchen vor Jahren das erste Mal im Nachtprogramm der Öffentlich-Rechtlichen gesehen, eingebettet in das deutschsprachige(!) Special „Monty Pythons fliegender Zirkus“.

Selbst für die Cambrigde-Absolventen um Eric Idle und John Cleese stellt das „Fußballspiel der Philosophen“ eine intellektuelle Höchstleistung dar. In knapp drei Minuten werden die vielleicht größten Köpfe der Weltgeschichte – von Aristoteles bis Heidegger – auf die wesentlichen Punkte ihrer Philosophie reduziert und dabei rettungslos, aber unfassbar gekonnt veralbert. Für mich als Nebenfach-Philosophen natürlich ein besonderer Reiz, selbst wenn Terry Jones (oder war es Michael Palin?) Jahrzehnte später über alle Philosophen-Sketche sagte, sie seien aus rudimentärem Halbwissen heraus entstanden.

Das Fußballspiel der Philosophen ist auch nach vier Jahrzehnten noch Unterhaltung der intelligentesten Form. Und topaktuell, denn so wie in der Philosophie kollidieren auch beim Fußball verschiedene Systeme. Bleibt zu hoffen, dass sich die Griechen am Freitag nicht auf Pragmatismus besinnen und den vergeblich um eine Lösung bemühten Deutschen einfach den Ball abnehmen und ihn reinhauen. Bislang ist ja zumindest auf das strenge Sparprogramm der hellenischen Offensive Verlass.

Vielleicht besinnt sich ja über dieses Video (allein auf der Facebook-Seite des Handelsblatts mehr als 300 „Shares“) auch einer derjenigen, der meint, auf Klischees nicht verzichten zu können, auf  eine Wittgenstein’sche Weisheit: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.“ Den Österreicher haben die Pythons damals für Deutschland aufgestellt – an der Seite von Franz Beckenbauer. Und wie ergänzte der noch so schön: „Geht's raus und spielt's Fußball.“

In diesem Sinne: gute Unterhaltung!

Kommentare zu " Anstoß - Die EM-Kolumne: Monty Python's Flying Football"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%