Anstoß – die EM-Kolumne
Von Bällen und Dingern

So sieht Frauenfußball beim Spaß-TV-Kanal „Comedy Central“ aus: In der Halbzeitpause der EM gibt es jede Menge Brust und Bein zu sehen. Der Sport? Nebensache. Die ganze Sendung ist ein einziges Ärgernis.
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Es gibt Ideen, denen merkt man von vornherein an, wessen Geistes Kind sie sind. Das gilt auch für eine Kopfgeburt des vorgeblich humorvollen TV-Kanals „Comedy Central“. Der deutsche Ableger des US-amerikanischen Kultsenders zeichnet sich in der Regel durch die Resteverwertung jeder jemals in Deutschland ausgestrahlten Sitcom aus. Zugpferd sind die neuen Folgen der Serie „South Park“, in regelmäßigen Abständen werden auch neue Importe aus den USA auf die heimischen Wohnzimmer losgelassen. Naja, das Prinzip des Spaßsenders ist aller Ehren wert. Auch an dem eigenen Anspruch, den ganzen „Clowns“ dort draußen mit Anspruch entgegenhalten zu wollen, ist löblich.

Nun bewirbt Comedy Central mit großem Trara die Eigenproduktion „C-Cup“. Die Show soll als Pausenfüller bei der EM dienen, läuft immer in der Halbzeit des Spätspiels. Und das Format? Zwei Viererteams, angeblich aus den Ländern, die zeitgleich bei der EM gegeneinander spielen, treten im Elfmeterschießen an – weiblich, nur in BH und knappen Shorts und fußballerisch maximal untalentiert. Was zählt, sind die C-Körbchen.

Es ist ein Format, das die Sexy Sport Clips in der Sport1-Nachtlücke spontan zum Kandidaten für den Grimme-Preis macht. Aufgezeichnet wird auf Mallorca, kommentiert von Florian Simbeck – richtig, dem Stefan von „Erkan & Stefan“. Den Teams werden Trainer aus dem mallorquinischen Klischee-Klientel zugeteilt. Der Coach des Verliererteams muss sich vom „Punisher“ mit durchschnittlich 114 km/h einen Ball gegen das Gesäß ballern lassen. Fernsehen für 14-Jährige, die Vatis Schnapsschrank geknackt haben. Anschauungsmaterial gibt es hier.

Die Frolleinchens stellen sich dann auch so ungeschickt an, wie es sich kein Erotik-Drehbuchautor besser hätte ausdenken können. Da wird auf spitzen Zehen angelaufen und der Ball dann quietschend Richtung Tor geschoben. Die Torhüterinnen sind währenddessen hauptsächlich damit beschäftigt, nicht über das Spielgerät zu treten. Simbeck hat dazu immer einen Spruch aus der Mottenkiste auf Lager: Altherren-Witze über Bälle, reingemachte Dinger und Lattenknaller gehen immer. Und die Wiederholungen befassen sich natürlich nur mit den Bewegungsabläufen rund um die sekundären Geschlechtsmerkmale. Im Großformat.

Es ist schwer, sich darauf festzulegen, was letztlich das größte Ärgernis an dem Format ist. Der sprichwörtliche Schlag ins Gesicht des Frauenfußballs? Der gelebte Sexismus? Oder die Tatsache, dass eine Masturbationsvorlage als Comedy-Format verkauft wird? Der Sender wirbt massiv mit dem C-Cup – und auf der Facebook-Seite gibt es bereits über 47.000 Fans.

Zum Vergleich: Erst kürzlich löste in der Uni-Liga Göttingen der Vereinsname „FC Siewillja“ einen Sturm der Entrüstung aus. Der als Wortspiel auf den FC Sevilla konzipierte Gag sollte plötzlich sexuelle Übergriffe auf Frauen verherrlichen, was sogar die Gleichstellungsbeauftragte auf den Plan rief. Auf Facebook gab es keine Likes, sondern einen Shitstorm. Man muss das nicht lustig finden – kann man aber. Wenn jedoch im Fernsehen zum Lustobjekt degradierte, halbnackte Frauen vermitteln dürfen, es ginge ihnen beim Strafstoßreinmachen nur um die Metapher, dann ist eigentlich Schluss mit lustig. Zumindest mit dem Etikettenschwindel „Humor“.

Kommentare zu " Anstoß – die EM-Kolumne: Von Bällen und Dingern"

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  • Die angesprochene Facebookseite ist die Fanseite des gesamten Senders - nicht eine Fanseite zum C-Cup.
    Und ansonsten wird dieses 10-minütige Spektakel hier wirklich bierernst genommen. Ich würde es eher als die Wiedergeburt von "Tutti Frutti" in Form einer Fussball-Parodie sehen. Warum sollte hier auch der Sport im Mittelpunkt stehen, wo es doch nur ein Lückenfüller für das eigentliche Sportevent ist. Keiner der Darsteller vermittelt den Eindruck, als würden sie/er das Geschehen auch nur ansatzweise ernst nehmen. Die gezeigte Menge Haut ist längst Alltag im Fernsehen und nur der lose Bezug zum Frauenfussball stellt einen Tabubruch dar.
    Ich jedenfalls amüsiere mich gut, obwohl ich weder Interesse an Fussball allgemein noch am weiblichen Geschlecht habe.

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