Bundestrainer Joachim Löw
Der Listenreiche auf Titelkurs

Das DFB-Team hat Griechenland im EM-Viertelfinale beeindruckend geschlagen. Das ist maßgeblich das Verdienst Jogi Löws. Der ist plötzlich listig wie Odysseus – und versetzt so die Konkurrenz in Angst und Schrecken.
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DüsseldorfEs war eine griechische Tragödie an diesem Freitagabend in Danzig. Deutschland sah sich einer Mauer gegenüber, wie sie die antiken Trojaner nicht hätte stolzer machen können. Vier Tore schenkte das DFB-Team der griechischen Nationalmannschaft ein. Die zwei gefangenen Gegentreffer sollen an dieser Stelle erst einmal unter den Tisch fallen. Dass der Favorit aus Deutschland das Spiel gewinnen würde, war im Vorfeld nicht ernsthaft bezweifelt worden. Doch die Art und Weise, wie dieser Triumph zustande kam, überraschte. Denn Bundestrainer Joachim Löw bediente sich einer uralten hellenischen Tugend: der Kriegslist. Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass diese neue Fähigkeit letztlich das Turnier entscheidet.

Die Geschichte der Eroberung von Troja kennt – oder kannte lange – jedes Kind. Der Sagenheld Odysseus schaffte es der Legende nach, den massiv verteidigenden Trojanern ein hölzernes Pferd unterzujubeln. Im Bauch der Statue befanden sich griechische Soldaten, die klammheimlich die Stadttore öffneten und so den einfallenden Horden den Weg bereiteten.  Wo kommt Joachim Löw ins Spiel?

Die polnische Zeitung „Fakt“ zitiert Griechenlands Coach Fernando Santos, die deutsche Aufstellung habe ihn vollkommen überrascht. Nicht nur ihn: Mit der Hereinnahme von Miroslav Klose, Marco Reus und André Schürrle versetzte der sonst so verlässliche Herr Löw die halbe Fachwelt in Staunen. Und dabei verdarb noch ein Maulwurf in Reihen des DFB-Trosses die Überraschung, indem er die Aufstellung Stunden vor Spielbeginn der „Bild“-Zeitung steckte. Löw hatte extra geheim trainieren lassen.

Dennoch war der Effekt auf dem sportlichen Schlachtfeld enorm. Die ersten drei Minuten lang wusste kein einziger griechischer Abwehrspieler, wie er auf das Offensiv-Gewitter der deutschen Elf reagieren sollte. Die Vorstöße zuckten wie Zeus‘ mythologische Blitze, bevor die Abwehr wusste, wo sich der Ball befand, war er auch schon wieder weg. Es waren einige wenige Minuten, die nicht königlich oder galaktisch, sondern schlichtweg überirdisch waren – Fußball wie vom anderen Stern. Natürlich auch dank einer Mannschaft, die Fußball aus einem anderen Jahrzehnt spielte. Kaum auszumalen, wenn Santos nur die 75 Minuten zwischen Aufstellungsverkündung und Anpfiff gehabt hätte, um sein Team einzustellen.

Dass der Blitz letztlich nicht direkt einschlug, lag vor allem an der dreckigen, aber cleveren Spielweise, die die Griechen durchzogen. Girogos Samaras durfte nach Belieben die Grenzen des großzügigen Schiedsrichters Damir Skomina austesten, Torwart Sifakis musste in den ersten zehn Minuten gleich zwei Mal mit einer rätselhaften Verletzung behandelt werden. Die Griechen nutzten die Pausen, um sich zu sortieren, während die Deutschen versuchten, ihre Knöchel aus dem Einzugsbereich der gegnerischen Stollen zu halten. Der massive Drang der ersten Minuten verflog und die Partie wurde zäher. Nicht, weil Griechenland besser ins Spiel gekommen wäre, aber weil sie es nun etwas besser verstanden, die Kreise der DFB-Elf zu stören.

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Joachim Löw auf den Spuren Odysseus'

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