Deutschlands Wackelkandidat
Der Problem-Poldi

Das Gruppenspiel gegen Dänemark könnte sein 100. Auftritt im Nationaldress werden, selten war Lukas Podolski dabei aber umstrittener als heute. Das deutsche System liegt ihm nicht - und er hat starke Konkurrenz bekommen.
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CharkiwDie ganz große Bühne ist für das letzte Gruppenspiel schon bereitet: Gegen Dänemark wird Lukas Podolski aller Voraussicht nach seinen 100. Einsatz als deutscher Nationalspieler feiern - mit erst 27 Jahren. Der Noch-Kölner wäre damit erst der zehnte Akteur in der deutschen Fußball-Geschichte, der eine dreistellige Anzahl an Länderspielen vorweisen kann und mit Abstand der Jüngste, der diesem erlesenen Kreis um Rekordhalter Lothar Matthäus, Teamkollege Miroslav Klose oder seinen Förderer Jürgen Klinsmann beitreten würde.

Ein Grund zur Freude - eigentlich. Das Problem ist allerdings, dass es nach den ersten beiden EM-Spielen alles andere als klar ist, ob Podolski die magische Marke als Stammspieler erreichen wird. Vieles spricht dagegen: Der zukünftige England-Legionär war aus Joachim Löws Startelf der große Verlierer der ersten beiden Partien.

Ein Blick in die Spielstatistiken zeigt das Dilemma des Lukas Podolski: 41 Ballkontakte hatte der Kölner im Spiel gegen die Niederlande, 46 beim Auftakt gegen Portugal - insgesamt 87 sind der viertschlechteste Wert des deutschen Teams, Keeper Manuel Neuer folgt knapp dahinter. Bei den im Optimalfall funktionierenden Ballstafetten von Mesut Özil, Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller und Sami Khedira wird Podolski fast immer im wahrsten Sinne des Wortes links liegen gelassen. Mitkombinieren verboten, Hauptsache der Linksaußen bindet seinen Gegenspieler, damit in der Mitte mehr Platz ist.

Wenn überhaupt wird der Linksfuß als Vollstrecker gesucht: Im Spiel gegen Portugal gab er mit fünf die meisten Torschüsse auf dem Platz ab, gegen die Niederlande war es dann allerdings nur noch einer - weil in der Mitte genug Platz zum Kombinieren und die Methode Dampfhammer deswegen nicht mehr gefragt war.

Eins ist dabei klar: Der jetzige Podolski ist nicht mehr mit dem Podolski der früheren Jahre zu vergleichen. Unter Jürgen Klinsmann und in der Anfangsphase der Löw-Ära durfte der 27-Jährige insgesamt 37 Spiele lang als zweiter Stürmer ran - meist neben Miroslav Klose. Das funktionierte richtig gut: 25 Treffer gelangen dem gebürtigen Polen als klassischer Angreifer, beim Sommermärchen 2006 glänze „Poldi“ als strahlende Symbolfigur des deutschen Jugendstils ohne Sorgen und große Defensiv-Aufgaben. Ein befreiter Podolski, den es im heute praktizierten 4-2-3-1 nicht mehr gibt.

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Hybrid ohne Durchschlagskraft

Kommentare zu " Deutschlands Wackelkandidat: Der Problem-Poldi"

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  • Haben Sie überhaupt das Spiel gestern gesehen? Es waren 2 sehr präzise Pässe von Schweinsteiger, die zum Tor von Gomez geführt hatten.

  • Vor allem Poldi, aber auch Schweinsteiger waren die schlechtesten deutschen Spieler.

    Schlechte Ballannahme, ungenaue Pässe, die kommen einfach zusammen mit dem Ball nicht vom Fleck. Furchtbar.

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