DFB-Team nach EM-Aus

Stur den Blick auf die WM 2014

Abstand - nach dem EM-Aus und der teils harten Kritik brauchen Joachim Löw und die DFB-Elf erst einmal das. Doch die WM-Qualifikation wirft ihre Schatten voraus und damit die Frage, wie das Team 2014 aussehen wird.
11 Kommentare
Selbstkritisch, aber die WM im Blick: Joachim Löw. Quelle: Reuters

Selbstkritisch, aber die WM im Blick: Joachim Löw.

(Foto: Reuters)

MünchenDie Höchststrafe für Joachim Löw und seine unvollendeten Titeljäger gab es erst zwei Tage nach dem selbst verschuldeten EM-K.o. Noch vor dem großen Finale in Kiew musste der Bundestrainer daheim im Schwarzwald seinen längst ausgetüftelten Spanien-Plan in die Tonne schmeißen und sich mit der schmerzhaften Zuschauerrolle begnügen. Zudem durfte der noch vor Tagen gefeierte Trainer-Liebling irritiert feststellen, wie schnell Stimmungen in einer großen Fußball-Nation wie Deutschland umschlagen können.

„Man braucht einige Tage Abstand, um die Dinge einzuordnen“, hatte der von den Turnierstrapazen gezeichnete Löw bei seinem Abschied von der Mannschaft erklärt: „Zur Ruhe kommen ist ganz gut.“

Dem ersten öffentlichen Sturm der Entrüstung über den falschen Matchplan bei der 1:2-Niederlage gegen Turnier-Angstgegner Italien begegneten Löw und der DFB am Wochenende mit einem demonstrativen Verzicht auf weitere Verlautbarungen. Den Schulterschluss mit dem Trainer hatte Verbandspräsident Wolfgang Niersbach noch vor dem abrupten Ende des EM-Unternehmens im Halbfinale verkündet: „Wir werden in dieser Konstellation weitermachen in der Hoffnung, dass es bald auch mal wieder zu einem Titel reicht.“

Ein einfaches „Weiter so“ darf es nicht geben. Bevor er nach einer letzten Medienoffensive beim Heimflug aus Warschau abtauchte, hatte Löw - wenn auch noch etwas halbherzig - „selbstverständlich die Verantwortung“ für das überflüssige Turnier-Aus übernommen: „Ich stehe dafür auch gerade.“ Aber auf die nächste Chance, die letzte noch fehlende Titelreife nachzuweisen, müssen sowohl er als auch seine Hoffnungsträger wieder zwei lange Jahre warten.

„Es macht jetzt auch keinen Spaß, über das nächste Turnier zu reden“, sagte der dreifache Turniertorschütze Mario Gomez und haderte mit der vergebenen Chance: „Der Respekt der anderen Teams war immens groß, aber wir haben es nicht auf den Platz bekommen.“

Löw hat mit seiner seltsamen Mischung aus Selbstüberhöhung und gleichzeitiger Unterwerfung seiner Aufstellung gegen Italien in den ersten 45 Minuten mit den zwei Balotteli-Toren sein eigenes, in sechs Jahren aufgebautes Gesamtwerk beschädigt. Aber zerstört hat es der immer noch geschätzte Bundes-Jogi nicht. „Die Mannschaft hat weiter großes Potenzial. Ich denke, dass niemand für längere Zeit einen Knacks davonträgt“, sagte er - und meinte damit auch sich selbst.

„Wo waren Rooney, Ribery, Van Bommel im Halbfinale?“
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: DFB-Team nach EM-Aus - Stur den Blick auf die WM 2014

11 Kommentare zu "DFB-Team nach EM-Aus: Stur den Blick auf die WM 2014"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @alle

    Wenn ich sehe, was unsere Politpfeifen kassieren für Null-Leistung und Volksverrat am 29.06.2012 und keiner von Euch steht in Berlin und geigt denen Marsch; da sind mir all diese Jungs, die sichtbar Einsatz gezeigt haben, tausend mal lieber, auch wenn es nicht zum Titel gereicht hat.

    Was die Fehler angeht, frage ich Euch alle habt Ihr immer alles richtig gemacht? Seien wir doch mal wenigstens so selbstkritisch und gestehen uns ein; die meisten von uns hätten sich für eine EM nicht einmal qualifiziert.

    Von Euch rennt sich auch nicht jeder an jedem Arbeitstag, die Lunge aus dem Hals, schon gar nicht wenn er ein solches Pensum abgeleistet hätte, wie unsere Jungs.

    Im Gegensatz zu unseren Politikern habe ich bei Löw und ALLEN Spielern die absolute Gewissheit, dass sie das gegeben haben, was sie an diesem Tage geben konnten. Keiner von denen, aber auch nicht ein einziger, hat bei dieser EM sein Land verraten.

    Bei den meisten Politikern bin ich mir seit dem 29.06.2012 sicher, dass dem so ist.

    Also lenkt Euren Frust nicht auf die wenigen, die die Fahne unseres Landes noch hochhalten und uns gut in dieser Welt repräsentieren, ergießt Euren Zorn über diejenigen, die Euch tagtäglich in Berlin verarschen und dafür sorgen, dass ihr bald nicht mehr die Kohle haben werdet, eine EM zu besuchen. Die dafür sorgen, dass man Euch systematisch enteignet, nur um ihre eigene Pfründe zu sichern und ihrer Eitelkeit zu frönen.

    Hätten wir Spieler, mit einer (Schein)Qualität wie unsere Politiker, wir hätten seit 30 Jahren an keinem Turnier mehr teilgenommen und wären regelmäßig schon in der Qualifikation gescheitert.

  • @Helmut

    Treffende Antwort.

  • Die überzogene Kritik an Löw halte ich gelinde gesagt, für fehl am Platz. Meines Erachtens ist er der beste Bundestrainer, den wir je hatten. Halte seine Arbeit für großartig. Die Fehler lagen nicht beim Trainer, sondern bei einigen Spielern. Doch da möchte ich keine Namen nennen, da mir das nicht zusteht. Bevor man an diesen Spielern Kritik übt, sollte man sich erst mal klar darüber werden, was für ein Pensum die Jungs allein in der letzten Saison geleistet haben. Viele von ihnen standen zum 2. mal in einem Endspiel. Hätten die Politstümper, die wir in der Regierung sitzen haben nur 20% von dem geleistet, was diese Jungs gezeigt haben, wir hätten in Deutschland das Paradies.
    Bei dieser Gelegenheit möchte ich Jogi Löw und ALLEN Spielern, meinen herzlichsten Dank für die spannenden Spiele, übermitteln und ihnen allen sagen: Kopf hoch Jungs ihr habt alles gegeben, das hat man gesehen und mehr darf niemand erwarten. Freue mich schon auf die WM 2014.

  • Das "Schmettern" der Nationalhymne ist nur ein Detail von vielen anderen, das aber nichts desto trotz stimmen muss. Denn: Gäbe es keine Hymnen, könnten wir uns die EU doch sparen (diese Meinung vertritt auch meine chinesische Frau, denn das hat mit Nationalismus nichts zu schaffen, wohl aber etwas mit einem "gesunden Patriotismus", den ich auch einem NATIONALspieler abverlangen darf!).

  • Was für eine Leistung kam vom Schürle - fast jeder Pass verloren und gerade von so einem von ihm falsch geleitetem Pass haben die Gegner einen Tor erzielt. Er ist gut nur dann, wenn er wild und hungrig für ein paar letzten Minuten reingelassen wird, aber im vollen Spiel klug und inteligent mitzuwirken, sorry aber das kann er NICHT. Schade, dass die Presse mit übertriebenen Meinungen über Schürle seinen Einsatz quasi erzwungen hat.

  • Ich würde es wagen zu sagen: es hängt auch von der Melodik und Rhytmus der Hymne ab, nicht von der Nationalität oder Patriotysmus. Leider kann man die deutsche Hymne nicht mit so einer Verve singen, wie z.B. die Italienische, Polnische ... Von dem Fussballer verlange ich seine Beinqualitäten, keine Singarien ;-)

  • Das kann ich nur bestätigen.
    In in der Nationalmanschaft dreht sich alles um die Bayern und man kann den Eindruck nicht verschweigen, dass die gleiche Hindernisse und Probleme, die den Bayer einen Titel unmöglich gemacht haben an die Nationalmannschaft übertragen wurden.

  • Ist halt ein Bayernkader um den die deutsche Nationalmannschaft gebaut wurde, in völliger Verkennung der Tatsache, das Borussia Dortmund wieder, völlig verdient, deutscher Meister wurde. Müller ist schon seit 1 Jahr ausser Form und Schweinsteiger, na ich weiss nicht.
    Irgendwie verkrustete, nicht leistungsorientierte Strukturen.

  • Als ich sah, mit welcher Verve, Inbrust und Begeisterung JEDER Spieler der italienischen Mannschaft ihre Nationalhymne sang, wusste ich, angesichts der maulfaulen deutschen Spieler, dass wir nicht gegen sie gewinnen können!
    Diese Begeisterungsfähigkeit beim Singen der Nationalhymne wirkt psychisch und moralisch wesentlich stimulierender als das obergrottige Imkreishocken und sich gegenseitig Zuspruch leisten. Man muss sich bewusst machen, dass das Einlaufen der Spieler und das Abspielen der Hymnen zur Identifikation, zur Loyalität und zum Respekt gegenüber der Mannschaft, dessen Teil man als Spieler ist, eine nicht zu unterschätzende Symbolik darstellt!

  • So wie die Manschaft das Deutschlandlied vor dem Spiel gesungen hat, hat sie auch gespielt. Überheblich und eingebildet.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%