Drama Elfmeterschießen
Englands ureigenes Trauma

Und täglich grüßt das Murmeltier: England verliert ein Elfmeterschießen. In der Heimat ruft das keine Verwunderung mehr hervor - zu bitter sind die Erinnerungen an die vergangenen 20 Jahre. Ein schmerzhafter Rückblick.
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Düsseldorf/LondonEs hätte so schön sein können. England mauert sich gegen überlegene Italiener ins Elfmeterschießen, überwindet das Traum, vielleicht noch Erzrivale Deutschland und gewinnt am Ende die EM 2012 - das Drehbuch hätte für Applaus gesorgt. Die Vorzeichen standen günstig: Trainer Roy Hodgson ließ unter der Woche extra Strafstöße trainieren. In Torwart Joe Hart glaubt die britische Presse und die dortigen Fußball-Fans gleich mit, dass der Stammkeeper von Manchester City eine goldene Ära zwischen den Pfosten einleitet. Hart stellte im Vorfeld bei sich selbst eine breite Brust fest, hatte alle Schützen der Italiener studiert - was sollte schiefgehen?

Das, was bei England immer schiefgeht: Irgendwer trifft das Tor nicht, irgendwer scheitert am Torwart. Ashley Young nagelt den Ball an die Latte, Ashley Cole schießt Buffon in die Arme. Da macht es auch nichts, dass ausgerechnet Montolivo verschießt. Der wird „Der Deutsche“ genannt, weil er eine deutsche Mutter hat und auch die Sprache spricht.

„Als Fan der englischen Nationalmannschaft ist man ja Kummer gewöhnt. Das Ausscheiden zeigt ganz einfach wie groß der Rückstand zu Mannschaften wie Spanien oder Deutschland noch ist. Aber wenigstens kann man den Jungs nicht mangelnden Kampfgeist vorwerfen“, sagt Jack Mason, der eigentlich für einen Immobilienmakler arbeitet, aber an diesem sonnigen Montag Nachmittag seinen Kummer mit einem ersten Pint im Nordlondoner Pub Millers bekämpft. Die Erwartungshaltung in England war in diesem Jahr ohnehin nicht sonderlich hoch: Roy Hodgson hat die Mannschaft erst vor wenigen Monaten übernommen, das Team selbst wurde nicht als sonderlich stark eingeschätzt. „England hat als durchschnittliches Team begonnen, ist als durchschnittliches Team weitergekommen und als durchschnittliches Team ausgeschieden“, bringt es der ehemalige schottische Nationalverteidiger Alan Hansen auf den Punkt. Am Ende die Erkenntnis, dass Elfmeterschießen nicht nur gegen Portugal, Deutschland und Argentinien verloren gehen, sondern auch gegen Italien. Sieben Mal traten die Engländer zu den „Penalties“ an - sechs Mal gingen sie als Verlierer vom Platz.

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