Eklat nach Viertelfinal-Aus
Schimpftirade mit Folgen

Samir Nasri hat seinem Frust über Frankreichs Aus gegen Spanien nach dem Spiel Luft gemacht und einen Reporter massiv beleidigt. Damit wirft er nicht nur ein schlechtes Licht auf sich selbst, sondern auch auf das Team.
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DonezkDass Samir Nasri und die französische Sportpresse wohl nicht mehr die besten Freunde werden, war bereits beim ersten Gruppenspiel gegen England zu beobachten. Nach seinem Tor zum 1:1-Endstand hatte sich der Profi von Manchester City bei seinem Torjubel seinen Finger auf die Lippen gelegt und in Richtung eines französischen Journalisten, der zuvor einen kritischen Artikel verfasst hatte, die Worte „Halt Dein Maul!“ gerufen.

Jetzt legte Nasri noch einmal deutlich nach und ließ dabei jegliche gute Kinderstube vermissen. Unmittelbar nach dem enttäuschenden Viertelfinal-Aus gegen nahezu ebenso enttäuschende Spanier legte sich der Heißsporn in der Mixed-Zone der Donbass-Arena von Donezk erneut mit einem Journalisten an.

Dieser hatte den 24-Jährigen im Anschluss an das 0:2 um eine kurze Einschätzung zum Spiel gebeten. Dieser Wunsch stieß bei Nasri jedoch auf wenig Gegenliebe. Statt ein Statement abzugeben blaffte der Mittelfeldspieler den Reporter an, nur auf der Suche nach negativen Geschichten rund um die Equipe Tricolore zu sein. Die Presse schreibe ohnehin „nur Scheiße“.

Der betroffene Fragensteller wollte diese Schimpftirade nicht auf sich sitzen lassen und forderte den Nationalspieler mit den Worten „Verzieh‘ Dich!“ zum Gehen auf. Doch für Samir Nasri grenzte dieser Konter offenbar an Majestätsbeleidigung, denn jetzt flippte Frankreichs Fußballer des Jahres 2010 erst recht aus. Neben der unschönen Aufforderung „F… Dich selber!“ geriet auch die Mutter des Reporters ins Fadenkreuz der üblen Nasri’schen Schimpfkanonade.

Was auf den ersten Blick wie der spontane Ausbruch eines frustrierten Heißsporns anmutet, hat bei näherer Betrachtung jedoch eine wesentlich größere Tragweite. Bei der WM 2010 in Südafrika war eine innerlich völlig zerstrittene und kopflose Equipe Tricolore mit nur einem Punkt und einem Tor nach der Vorrunde wieder nach Hause gefahren. Trauriger Höhepunkt waren neben dem Spielerstreik im Training wohl vor allem die massiven verbalen Angriffe des ehemaligen Nationalstürmers Nicolas Anelka gegen den damaligen Coach Raymond Domenech.

Der Verband sprach damals drakonische Strafen aus, der stark umstrittene Domenech trat nach der skandalösen WM von seinem Posten als Nationaltrainer zurück und selbst die Politik schaltete sich in die Angelegenheit ein. In der französischen Öffentlichkeit hatte das Ansehen der Equipe Tricolore unter dem schwachen Abschneiden und den unsäglichen Vorgängen stark gelitten, ein Umbruch musste her.

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