Euro 2012
Platin für Platini: Uefa ist EM-Gewinner

Michel Platini führt die Uefa zu wirtschaftlicher Blüte. Mit der Marke „Europameisterschaft“ forciert der Verband die Expansion. Nachhaltig ist aber nur das Umsatzwachstum - Sport und Ethik geraten ins Abseits.
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ParisDer Kracher ist es nicht: Das Auftaktspiel zwischen Polen und Griechenland (heute 18 Uhr) lockt außerhalb einer Fußball-Europameisterschaft sonst kaum internationales Publikum vor den Fernseher. Für Michel Platini jedoch, den Präsidenten des europäischen Fußballverbands Uefa, läuft alles nach Plan. Dass das diesjährige Turnier in Polen und der Ukraine stattfindet, ist vor allem sein Werk. „Diese erste EM-Endrunde in Osteuropa wird ein Meilenstein in der Geschichte der Uefa-Wettbewerbe sein“, sagt er.

Ein Meilenstein ist es vor allem aus ökonomischer Sicht: Platini treibt gnadenlos die Vermarktung voran – und die osteuropäischen Märkte versprechen Wachstumspotenzial. „Die Uefa trifft nie Entscheidungen, die schlecht für das Geschäft sind“, sagt Michel Desbordes, Professor für Sportmarketing an der Universität Paris-Süd. „Platini hat den Verband noch stärker auf Vermarktung getrimmt als vorher – das betrifft sowohl die Champions League als auch die Europameisterschaft.“

Die Fußball-Produkte der Uefa sind wahre Kassenschlager. Den wirtschaftliche Erfolg belegt der letzte Finanzbericht des Verbands: Im Berichtsjahr 2007/2008 verbuchte die Organisation noch Einnahmen von fast knapp 1,6 Milliarden Euro, davon stammte über eine Milliarde aus der EM in Österreich und der Schweiz. Doch im vergangenen Jahr erreichten die Erlöse auch ohne Endrundenturnier fast 1,5 Milliarden Euro – allein die Champions League brachte der Uefa 1,15 Milliarden Euro ein. Kein Frage: Für das EM-Berichtsjahr 2011/2012 wird Platini eine Bilanz präsentieren können, die alle bisherigen in den Schatten stellt.

Die Uefa ist in Geldsachen inzwischen so erfolgreich, dass sie sich nicht nur einige repräsentative neue Verwaltungsgebäude am Genfer See geleistet, sondern auch ein üppiges Finanzpolster aufgebaut hat. Das Eigenkapital hat sich nach der EM 2008 auf rund eine halbe Milliarde Euro verdoppelt, einen ähnlich hohen Zuwachs wird das diesjährige Turnier bringen. Es gehe der Uefa nicht darum, möglichst viel Geld zu verdienen, schreibt die Organisation in ihrem Finanzbericht. Aber Geld sei eben auch ein „Mittel zum Zweck“, um „Millionen Menschen Freude und Unterhaltung zu bieten“.

Besonders viele Fans erreicht die Europameisterschaft. Sie ist neben der Champions League die wichtigste Einkommensquelle der Uefa und gilt als Schlüssel bei der Expansion in neue Märkte. Die Entscheidung, die EM-Austragung 2012 an zwei Länder gleichzeitig zu vergeben, sei aus ökonomischer Sicht richtig gewesen, sagt Wolfgang Maennig, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hamburg. „Polen hätte als alleiniger Gastgeber acht bis zehn große Stadien bauen oder modernisieren müssen. Dafür aber wäre der polnische Fußballmarkt nicht groß genug gewesen. Die großen Arenen hätte das Land nach dem Turnier nicht mehr auslasten können.“

Einnahmen (in Millionen, Quelle: Uefa)
2007/082008/092009/102010/11
Europameisterschaft1039000
Champions League82082210991148
Europa League5354195210
Übrige Wettbewerbe und Einnahmen245433-1
Bildung und Auflösung Euro-Pool-Rückstellung-34211710296
Ausgaben (in Millionen, Quelle. Uefa)
Ausschüttungen an Mannschaften-822-644-960-1001
Solidarität-221-210-238-238
Organisation Hauptwettbewerbe-220-116-162-163
Organisation übrige Wettbewerbe-19-21-25-27
Fußballentwicklung, Ausbildung und Veranstaltungen-6-7-8-10
ICT und Medientechnologie-28-29-46-38
Verwaltungsausgaben-44-46-56-62
Nettofinanzierung aus Eigenkapital-236286686

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