Fußball-EM 2012
Eine Blase namens Euro

Die EM in Polen und der Ukraine ist vor allem eins: ein Projekt mit gigantischen Investitionen. Doch Wirtschaft und Tourismus vor Ort spüren vielfach keinen Aufschwung - und kurz vor dem Start liegt vieles im Argen.
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Lwiw/Kiew/WarschauFür die deutschen Fans, die im Stadion des Erstligaklubs Karpaty Lwiw das erste Spiel ihrer Nationalelf gegen Portugal sehen, hat Wardkes Asurmanian sein Lokal herausgeputzt. „Mons Pius heißt das urige Restaurant, in dessen Gemäuern im 18. Jahrhundert die armenische Lombardbank untergebracht war und das heute ein Kleinod der schmucken Altstadt der einstigen k. u. k. Metropole Lemberg ist.

Heute heißt die westukrainische Stadt Lwiw, auch sonst hat sich viel verändert. Von der Fußball-EM aber, die nächste Woche beginnt, erwartet Asurmanian „nichts Gutes, nicht einmal mehr Umsatz. Er könne ja nicht mehr Tische aufstellen, finde auch kein Personal. Die nun in acht Sprachen übersetzte Speisekarte sei im Sinne von Qualität statt Quantität abgespeckt, sagt der Endvierziger mit Drei-Tage-Bart: „Lieber gute Borschtsch-Suppe und gutes Bier.

Warum der EM-Umsatzboom trotz trinkfreudiger Fans wohl ausfällt? „Die einheimischen Touristen werden ausbleiben. Und nach der EM wird es einen tiefen Fall geben, prophezeit Asurmanian.

Im Mittelstand der Ukraine ist die EM-Stimmung gedämpft. Die Großen aber haben sich offenbar kräftig die Taschen gestopft. Immerhin: Die vier Stadien in Lwiw, Kiew, Charkiw und Donezk sind fertig. Das sah 2010 nicht so aus: Die Uefa plante ernsthaft, der Ukraine die EM zu entziehen.

Der neue Präsident Viktor Janukowitsch peitschte ein Gesetz durchs Parlament, das die EM zwar rettete, aber auch Unregelmäßigkeiten den Weg ebnete: Bauaufträge durften nun ohne Ausschreibungen vergeben werden. Diplomaten und Manager in Kiew sagen, dass erst unter Janukowitsch und mit der Ernennung von Vizepremier Boris Kolesnikow zum EM-Verantwortlichen der nötige Schwung in die Vorbereitung gekommen sei. Auch Flughäfen und neue Züge sind nun startbereit. Die Kehrseite: hohe Kosten und Korruption. Die Arena Lwiw, in der Jogi Löws Elf zweimal aufläuft, schlug mit 287 statt 190 Millionen Dollar zu Buche. Gebaut hat es die Donezker Altkom-Gruppe, der enge Beziehungen zu Kolesnikow nachgesagt werden.

Derlei Misswirtschaft wird Polen als Co-Gastgeber der Euro 2012 nicht vorgeworfen. Aber problemfrei sind die EM-Vorbereitungen auch dort nicht verlaufen: Die vier EM-Stadien in Posen, Breslau, Danzig und Warschau stehen. Teilweise wurden sie von deutschen Architekturbüros entworfen und von Hochtief Polska oder dem bayerischen Baukonzern Max Bögl gebaut.

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  • mansche Komentar unnotige aufregung aufheizung gleich dem pesimismus mentalitat des lebenswegs und der Bedeutung mit oder ohne in schwersten Zeiten zweipolitischer System aber immer in Richtung nach vorne. Wir wunschen uns so wie alle mehr Globalisierung bei uns zu Hause im Lwiw. Mehr Arbeit, Investitionen, Bisness und Erfolg fur uns und Bisnesspartner. Wir bitten zuerst UERO 2012 plus Tourismus Stadt mit sarmaten-romer-osterreich-ungarische-polnische-sovetische union-ukraine geschichte. Zu empfehlen kette von restoranen sie werden beeindruckt versprochen, jede hat drei interessante dinge zu erzahlen sammeln sie gluck, erfolg, gesundheit, freude, freunde, und viele schone dinge ... um Lwiw zu verstehen man muss hier glucklich sein in schwere zeiten hier millionen Schicksal. Der Artikel ist kritisch aber gegen normale Leute und ist nicht besser als schlimmste Diktator kurz meine Meinung ... hier ist billiger dankbar dem globalisiertem Dollarisirungsprozess wenn man kennt richtige Orte, Platze, und soweiter organisiert man sich wunderschone Gefuhle und VIP Urlaub(VIP EXTRIM KLUB LWIW) wir freuen uns fur Ihre Interrese WILLKOMMEN in Lemberg dwukr@yahoo.de

  • Schnell vor der EM führt Polen noch die Autobahngebüren ein , damit die Gutmenschen noch mehr € in Polen lassen für Autobahnen die die EU bezahlt hat . ---Nein danke nicht mit mir----- habe ein Fernseher das reicht!!!!!

  • Uk/OK.

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