Fußball in der Ukraine
Der Spielplatz der Oligarchen

Heute startet der zweite Gastgeber, die Ukraine, in die EM – die Vorfreude ist riesig. Geschürt wird sie auch von den Superreichen des Landes, die Milliarden in den Fußball pumpen – und das nicht ohne Hintergedanken.
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Lwiw/Donezk/Charkiw/KiewEr hat sich für die kommenden drei Wochen nicht weniger vorgenommen, als die Welt zu begeistern. Trotz des schlechten Images, das sein Land inzwischen hat. Rinat Achmetow, 45, gilt mit rund 16 Milliarden Dollar Vermögen als der reichste Mann der Ukraine. Seine weit verzweigte Holding, die System Capital Management (SCM), hat im Jahr 2010 rund 13 Milliarden Dollar Umsatz gemacht. Achmetow ist mit seiner Metinvest-Gruppe der größte Stahlproduzent in der Ex-UdSSR, ihm gehören 28 Kohlegruben, dazu Kokszechen, Kraftwerke, ein Immobilienimperium, ein Medienkonzern, eine Bank, ein Versicherer - und ein Fußballklub.

Eine Milliarde Dollar hat der ukrainische Stahlbaron bislang in den Verein "Schachtar Donezk" gesteckt, die Stadt Donezk ist Zentrum des Kohlebergbaus, Schachtar heißt übersetzt Bergmann. Allein 400 Millionen Dollar hat ihn das Stadion gekostet, die Donbass-Arena.

Als sie 2009 eröffnet wurde, war sie das erste Fußballstadion in der ehemaligen Sowjetunion, das den Normen der Europäischen Fußball-Union (Uefa) entsprach. Seit 1996 ist Achmetow Schachtar-Boss - und jetzt, 16 Jahre später, ist sein Stadion Teil einer EM. In Donezk finden drei Vorrundenspiele, ein Viertel- und ein Halbfinale statt.

Die Fußball-EM wird zum ersten Mal in Osteuropa ausgetragen, Polen und die Ukraine sind die Gastgeber. "Creating history together", "Gemeinsam Geschichte schreiben", so lautet das Motto des Turniers. Milliarden-Investitionen in die Infrastruktur, so die Hoffnung vieler ausländischer Sportfunktionäre, sollen den Wohlstand von gleich zwei Völkern befördern. Aber ob der Bau neuer Stadien der richtige Ansatz ist, ist mehr als fraglich. Was wird die Bevölkerung davon haben, wenn der EM-Tross in ein paar Wochen wieder abgezogen ist?

Gerade in der Ukraine, in dem Vetternwirtschaft und Oligarchie noch immer weitverbreitete Prinzipien des Wirtschaftens sind, ist unklar, woher das Geld für den Fußball überhaupt stammt. Vielen bekannten Oligarchen lassen sich kriminelle Machenschaften zwar nicht nachweisen. Was indes ersichtlich ist für jedermann: ihr sagenhafter Reichtum. Wer sie nach der Herkunft fragt, erhält keine Antwort. Weil sie zur Aufklärung nicht beitragen, gerät womöglich der eine oder andere Saubermann unter Generalverdacht. Auch langwierige Recherchen laufen meist ins Leere. Eine Beschreibung der Handelnden kann deshalb nur eine Annäherung an die tatsächlichen Verhältnisse bedeuten. Das Handelsblatt stellt zwei der interessantesten Figuren vor:

Rinat Achmetow, der Stahlbaron aus Donezk, und Alexander Jaroslawskij, dem der Klub "Metalist Charkiw" gehört, pumpen Millionen in ihre Lieblingsvereine - mit ihren Investitionen haben sie auch dafür gesorgt, dass die EM hier stattfindet. Fußball in der Ukraine, das ist ihre Spielwiese, die der Superreichen. Und jetzt endlich wollen sie für die Besucher aus dem Westen den Imagewandel schaffen, vom Oligarchen zum Unternehmer.

Kommentare zu " Fußball in der Ukraine: Der Spielplatz der Oligarchen"

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  • Marktwirtschaft und Kapitalismus ist ein tolle Sache - wenn gewisse Rahmenbedingungen eingehalten werden. Bei sehr vielen Superreichen in Rußland und der Ukraine darf aber die seriöse Quelle des Reichtums bezweifelt werden. Wie soll ein normaler Mensch innerhalb von wenigen Jahren denn zum Milliardär werden - mit seriösen Methoden schafft das kein Unternehmer. Alles was mit Mafia zu tun hat, finde ich widerlich. Da bin ich froh in Deutschland zu leben.

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