Gruppe D im EM-Check: Der Gastgeber verzweifelt an England und Frankreich

Gruppe D im EM-Check
Der Gastgeber verzweifelt an England und Frankreich

Der Gastgeber hat es nicht leicht: In der EM-Gruppe D trifft die Ukraine auf Frankreich, England und Schweden - dicke Brocken. Chancenlos ist die Ukraine nicht, die Favoritenrollen aber sind klar verteilt. Der Teamcheck.
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DüsseldorfUkraine: Gelb-Blau ist die Hoffnung

Über 20 Jahre nach Verbandsgründung tritt die Ukraine als Gastgeber erstmals selbstständig bei einer Europameisterschaft an. Dabei haben Spieler aus der ehemaligen Teilrepublik der UDSSR bereits EM-Geschichte geschrieben, so stammten im Endspiel 1988 gegen die Niederlande sieben der elf russischen Spieler aus der Ukraine.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 90er Jahre hatten es die „Zhovto-Blakytni“ (die Gelb-Blauen) zunächst schwer, als Nationalmannschaft Fuß zu fassen. Die damals besten Spieler wie Oleg Salenko (WM-Torschützenkönig 1994), Sergej Juran (in der Bundesliga für Düsseldorf und Bochum aktiv) oder Andrei Kantschelskis nahmen allesamt die russische Staatsbürgerschaft an und verhinderten so einen schnellen Aufstieg der traditionell mit starken Fußballern bestückten Ukraine.

Trotz einiger Ausnahmekünstler und des zwischenzeitlich in der Champions League höchst erfolgreichen Spitzenklubs Dynamo Kiew startete die Nationalmannschaft so erst Ende der 90er Jahre durch. Zwischen 1998 und 2002 wurde dreimal in Folge eine Qualifikation zu einer WM- oder EM-Endrunde erst in der Play-off-Runde verpasst, so zum Beispiel vor der WM 2002 gegen Deutschland.

Erst 2005 schaffte die Ukraine erstmals den Sprung zur Weltmeisterschaft im kommenden Jahr. In Deutschland schaffte das Team mit Siegen gegen Tunesien und Saudi-Arabien trotz einer 0:4-Pleite gegen Spanien im ersten Gruppenspiel sogar die Qualifikation fürs Achtelfinale, in dem die Schweiz geschlagen wurde. Erst im Viertelfinale war gegen den späteren Sieger Italien Schluss

Die aktuelle Mannschaft der Ukraine ist eine Mischung aus routinierten Anführern und Talenten. Herausragend und enorm wichtig für das Team ist immer noch der einzige Deutschland-Legionär Anatolij Tymoschtschuk, der mit 116 Länderspielen Rekordnationalspieler ist. Auch Andrij Schewtschenko, für Dynamo Kiew und den AC Mailand viele Jahre lang als Weltklasse-Torjäger aktiv, steht immer noch im ukrainischen Aufgebot.

Dass die seit einigen Jahren nachrückenden Talente in Europa eher weniger bekannt sind, liegt vor allem daran, dass sie alle noch in der Ukraine spielen. Da ist zum Beispiel Stürmer Andrij Jarmolenko von Dynamo Kiew: Der 22-Jährige traf in 20 Länderspielen bereits acht Mal – unter anderem auch im Testspiel gegen Deutschland vergangenes Jahr. Eine große Rolle könnte auch Linksaußen Evgen Konoplyanka (22 Jahre, Dnipro Dnipropetrovsk) spielen.

Ein ganz großes Problem muss der Nationaltrainer Oleg Blochin aber noch lösen: Die sowjetische Fußball-Legende sucht nicht nur einen neuen Stammkeeper, sondern muss bei der EM tatsächlich alle drei eigentlich eingeplanten Torhüter ersetzen. Die etatmäßige Nummer eins Oleksandr Shovkovskyi und Andriy Dykan fehlen verletzt, Oleksandr Rybka ist wegen eines Doping-Vergehens gesperrt. Jetzt darf wohl Andriy Pyatov von Schachtar Donezk sein Heimatland im Heimatland vertreten. Ein Risikofaktor – der 27-Jährige ist immer mal wieder für einen spielentscheidenden Fehler gut.

Fazit: Die Ukraine hat eine solide, ausgewogene Mannschaft aus erfahrenen und erfrischenden Spielern – viel mehr allerdings nicht. Ob das für eine Europameisterschaft mit einer nicht ganz einfachen Gruppe reicht ist mehr als fraglich, trotz des Heimvorteils.

Prognose: Es wird schwierig. Sollte das Auftaktspiel gegen Schweden nicht gewonnen werden, ist der Traum vom Viertelfinale bereits früh vorbei. Am Ende steht Platz drei in der Gruppe.

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