Mediale Augenwischerei
EM wurde schon Monate vorher aufgezeichnet

Erst Löw, der einen Balljungen neckt, dann die weinende Deutschland-Anhängerin – beides vor dem Spiel aufgenommen, aber während der Partie ausgestrahlt. Jetzt ist klar: Die gesamte EM ist durchinszeniert. Eine Satire.
  • 21

Warschau?Es hätte das Meisterstück der Uefa werden sollen: eine reibungslose, perfekt durchgeplante EM mit wenigen Zwischenfällen. Doch offenbar hat die Fußballorganisation nicht genug Vertrauen in Polen und die Ukraine gehabt – und das gesamte Turnier schon vorher aufgezeichnet. Der Plan war perfekt, doch dann wollte die Uefa zu viel. Denn sie sendete während eines Spiels Szenen, die schon vor den Partien entstanden waren: Jogi Löw neckte einen Balljungen, eine Frau weinte bei der Partie Deutschland – Italien. Da dachten sich viele: Waren das wirklich die einzigen Zwischenfälle?

Jetzt ist klar: Nein, waren es nicht.

Die gesamte EM wurde bereits im Frühjahr aufgezeichnet, wie jetzt aus Kreisen der Uefa zu hören war. Einer der Gründe: „Das Wetter war einfach besser.“ Außerdem wollte man eventuellen Konflikten zwischen Staaten vorbeugen, etwa falls eine Ex-Präsidentin in den Hungerstreik tritt und damit die politischen Beziehungen belastet. vorbeugen, etwa falls eine Ex-Präsidentin in den Hungerstreik tritt und damit die politischen Beziehungen belastet.

Und auch die Europäische Union schien bei der Planung dieses medialen Blendwerks mitgewirkt zu haben: In einem internen Brief, der uns nicht vorliegt, wird die Uefa gebeten, die geheime „Aufzeichnung dann auszustrahlen, wenn gerade wichtige Entscheidungen zur Entwicklung der Europäischen Währungsunion (Fiskalpakt, ESM) getroffen werden“. So könne man sicherstellen, dass „die Bürger in Europa trotz einschneidender Veränderungen sich nicht über die Duelle im Europäischen Rat, sondern über die auf dem Fußballfeld unterhalten“.

Doch wie konnte das gelingen? Wer hat so viel Geld, Stadien zu bauen, Fußballmillionäre und Fans zu bestechen? Die Antwort: China. Die wachstumsstarke Nation hat ein paar seiner Dollardevisen locker gemacht und in seinem Hinterland schnell eine Fußballarena hochgezogen – in Zukunft sollten dort öfter Sportveranstaltungen abgehalten werden, die man zu Krisenzeiten schnell senden könnte. Die Europameisterschaft war das Pilotprojekt. Als kleinen Bonus hat die chinesische Liga noch ein paar Spieler bekommen: Frederic Kanoute, Didier Drogba, Nicolas Anelka, Lucas Barrios kicken jetzt nicht ohne Grund in Asien.

Innerhalb weniger Wochen waren die Spiele der EM effizient abgedreht. Dabei wurden ab den Halbfinalfinal-Spielen immer zwei Versionen aufgenommen, damit man schnell auf unvorhergesehene Ereignisse in der Euro-Politik reagieren konnte. „Wer glaubt denn im Ernst an Zufall, wenn Italien Deutschland sowohl in Brüssel als auch auf dem Fußballfeld besiegt?“, so ein Vertrauter mit der Materie. „Das war die Forderung der Medienbranche, damit diese billige Wortspiele machen und einfache Vergleiche zwischen Euro- und Fußballkrise ziehen kann.“

Und so finden sich auch andere Ereignisse im Fußballgeschehen wider: Wenn Großbritannien beim Fiskalpakt nicht mitmacht, dann dürfen sie eben auch nicht weiterkommen. Und wenn Frankreich mit Hollande plötzlich einen Anti-Sarkozy aufstellt, ist eben im Viertelfinale Schluss. Und für die Griechen könnte es auch in der Währungsunion wie auf dem Platz enden: Erst lässt man sie hoffen - und dann kickt Deutschland sie raus..

Nun steht nur noch das Finale zwischen Spanien und Italien bevor. Italiens Regierungschef Monti durfte sich schon Freitagabend als Sieger präsentieren, Spaniens Ministerpräsident Rajoy wurde hingegen kaum erwähnt. Daher soll sein Land zumindest die getürkte EM gewinnen. Trotzdem warnt ein Insider, dass man nicht darauf wetten sollte. Denn nicht umsonst steckt der italienische Fußball gerade mitten in einem Korruptionsskandal.

An dieser Satire haben mitgearbeitet: Simon Sturm und Lisa Hegemann.

Steffen Daniel Meyer
Steffen Daniel Meyer
Handelsblatt Online / Social-Media-Redakteur

Kommentare zu " Mediale Augenwischerei: EM wurde schon Monate vorher aufgezeichnet"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "DIE wachstumsstarke Nation hat ein paar SEINER Dollardevisen locker gemacht und in SEINEM Hinterland schnell eine Fußballarena hochgezogen..."
    Selbst in einer Satire sollte der Rechtschreibung und Grammatik Rechnung getragen werden.
    Selbstverständlich gilt das ebenso für Kommentare.

  • Brot und Spiele braucht das Volk um erfolgreich abgelenkt zu werden und sie vom Reflektieren und Denken abzuhalten. Hat ja prima geklappt... klappt schon seit dem alten Rom und früher... Wann wachen denn alle mal endlich auf?

  • Liebe Leser,

    um auch die letzten Restzweifel zu beseitigen, was den nicht vorhandenen Wahrheitsgehalt der Geschichte angeht, haben wir den Text nun explizit als "Satire" ausgezeichnet.

    Die Redaktion

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%