Teamcheck Gruppe A
EM-Außenseiter unter sich

Die Gruppe A gilt als die einfachste der Europameisterschaft 2012. Polen, Griechenland, Tschechien und Russland werden maximal Außenseiterchancen auf den EM-Titel eingeräumt. Favoriten gibt es dennoch. Der Gruppencheck.
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DüsseldorfPolen: Mit Meistern zum Erfolg

Zum allerersten Mal findet ein großes Turnier in Polen statt – und natürlich will sich das Land als perfekter Gastgeber zeigen. Beim Sportlichen wird es allerdings vorbei sein mit der Zuvorkommenheit, schließlich soll die Heim-EM nicht enden wie für die Gastgeber vier Jahre zuvor: in der Vorrunde.

Die Chancen stehen günstig, zumal die Polen eine für ihre Verhältnisse machbare Gruppe erwischt und nicht, wie bei den letzten Europa- und Weltmeisterschaften, an denen die Mannschaft teilnahm, sofort einen Brocken wie Deutschland vorgesetzt bekommen haben. Das Team, das von Franciszek Smuda zusammengestellt wurde, scheint jedenfalls gut vorbereitet; nur zwei der vergangenen 15 Spiele gingen verloren, unter anderem gab es einen Sieg gegen Argentinien und einen Fast-Sieg – der Ausgleich fiel in der Nachspielzeit – gegen Angstgegner Deutschland, den die „Biało-Czerwoni”, die Weiß-Roten, noch kein einziges Mal schlagen konnten.

Um das Minimalziel – Viertelfinale – zu erreichen, setzt die polnische Auswahl vor allem auf Spieler, die in ausländischen Ligen kicken; die „Ekstraklasa“, die höchste polnische Spielklasse, ist international nicht konkurrenzfähig. 17 der 23 Nominierten des EM-Kaders verdienen ihr Geld im europäischen Ausland. Manche von ihnen, zum Beispiel Ludovic Obraniak (Girondins de Bordeaux) und Sebastian Boenisch (Werder Bremen), haben sich für die polnische Nationalmannschaft entschieden, obwohl sie kaum ein Wort Polnisch sprechen, was einigen Kommentatoren übel aufstößt.

Auf dem Platz versteht sich das Team offenbar problemlos. Besonders stark ist die eingespielte rechte Seite mit den beiden deutschen Meistern von Borussia Dortmund, Łukasz Piszczek und Jakub Błaszczykowski. Gerade „Kuba“, so der Spitzname des polnischen Kapitäns, merkt man im Nationaldress bei jedem Spiel den unbedingten Willen an, zu gewinnen. Er führt die Mannschaft an, ist der unumstrittene Leader.

Der dritte im Bunde ist Robert Lewandowski. Der 23-Jährige hat in den vergangenen zwei Jahren einen Riesensprung nach vorne gemacht und schoss in der abgelaufenen Bundesliga-Saison insgesamt 22 Treffer. Das weckt Begehrlichkeiten, offenbar steht der Angreifer bei mehreren europäischen Top-Klubs auf dem Zettel. Seine Klasse bewies er einmal mehr beim letzten Testspiel vor dem Eröffnungsspiel, als er sich den Ball nach einer Flanke selbst mit der Brust vorlegte und mit einem Seitfallzieher den Ball volley ins Tor bugsierte. Wenn Lewandowski seine Form der zurückliegenden Wochen und Monate beibehält, könnte er zu einem der Stars der diesjährigen Euro avancieren.

So stark die polnische Mannschaft in der Offensive aufgestellt ist, so schwach präsentiert sie sich manchmal in der Defensive, die ein nicht zu übersehender Schwachpunkt ist. Gerade bei schnellen Vorstößen des Gegners verliert die Abwehr leicht die Ordnung und reagiert häufig zu passiv. Zum Glück für die Polen steht mit Wojciech Szczęsny, Stammkeeper beim FC Arsenal, ein überdurchschnittlich guter Keeper im Tor, der seine Vorderleute lautstark dirigiert und auf der Linie bereits großartige Reflexe gezeigt hat.

Nicht zu vernachlässigen ist der Heimvorteil. Die Polen, nicht selten ein launiges Publikum, werden bei der EM voll hinter ihrem Team stehen. Sollte im Eröffnungsspiel ein Sieg gelingen, dürfte die Euphorie weitere Energien freisetzen.

Fazit: Polen hat eine, wenn nicht die beste Mannschaft der vergangenen Jahre. Allerdings muss sich das Team erst noch in einem Turnier beweisen, wo der Druck ungleich höher ist. Ausfälle wird die Mannschaft schwer ausgleichen können, die Ersatzbank bietet wenig echte Alternativen.

Prognose: Polen wird mindestens Gruppenzweiter und zieht ins Viertelfinale ein. Danach kann das Team befreit aufspielen – und mit dem Publikum im Rücken ist alles möglich.

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