Umstellung gegen Griechenland
Löw zaubert Überraschungssturm aus dem Hut

Überraschung gelungen: Jogi Löw setzt gegen Griechenland auf die Bankdrücker Klose, Reus und Schürrle - und das aus gutem Grund. Denn selbst wenn die Griechen harmlos wirken, für das DFB-Team sind sie eine echte Gefahr.
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Düsseldorf„Eier, wir brauchen Eier“ - auf diesen simplen Mangel reduzierte Oliver Kahn einst eine ungewöhnlich erfolglose Episode in der Geschichte des FC Bayern München. Kahns „Eier“ sollten für Mut, Entschlossenheit und Selbstbewusstsein stehen.  Mittlerweile sind das alles Eigenschaften, die gemeinhin der Siegermentalität und dem bayerischen „mia san mia“ zugeschrieben werden.

Selbstbewusstsein hat die griechische Nationalmannschaft derzeit genug. Der entscheidende Sieg im letzten Vorrundenspiel gegen den haushohen Favoriten Russland bestätigt Team und Trainerstab in allen Entscheidungen - so weh das Fußball-Ästheten auch tun mag. Zudem werden die Fußballer in der Heimat als Kämpfer für Gerechtigkeit stilisiert, praktisch in einem Stellvertreterkrieg um Sparmaßnahmen und den Verbleib in der Euro-Zone. Das drängt die sportlichen Aspekte etwas an den Rand. Schade eigentlich, denn tatsächlich ist das auf dem Papier augenscheinlich einseitige Duell auf dem Platz eine höchst interessante Partie – und eine Kollision der Spielsysteme. Nicht zuletzt aufgrund überraschender Personalentscheidungen Joachim Löws: Statt Mario Gomez, Lukas Podolski und Thomas Müller laufen Miroslav Klose, André Schürrle und Marco Reus auf.

So steht auf der einen Seite die DFB-Auswahl, die gerne den gepflegten Ball spielt, das Spielgerät durch die eigenen Reihen laufen lässt und gleichzeitig den Druck nach vorne nicht vergisst. Sie agiert aus einer disziplinierten, aber spielstarken Verteidigung heraus. Auf der anderen Seite Griechenland, die mit destruktivem Spiel die Räume zu eng für Kombinationen bis in den Strafraum machen und sich auf Kopfball- und Zweikampfstärke verlassen. Im Idealfall sorgt ein Standard oder ein Konter für das Tor, sonst besorgt es in der K.o.-Runde eben das Elfmeterschießen. Und da liegt die Gefährlichkeit der Griechen.

Theoretisch sollte ein Team wie Deutschland kurzen Prozess mit den spielerisch limitierten Griechen machen. In der Realität hat sich die DFB-Elf aber gegen tiefstehende Gegner bei diesem Turnier – und in der Vergangenheit – immer schwer getan. Je länger kein Tor fällt, desto besser für die Griechen. Denn die sparen durch den eingeengten Radius Kräfte, die sie bei sich bietender Gelegenheit nach vorn werfen können.

Innenverteidiger Kyriakos Papadopoulos zum Beispiel hatte im Spiel gegen die hoch favorisierten Russen eine Zweikampfquote von 90 Prozent, aber nur 32 Ballkontakte. Das ist Kräfteeffizienz pur, gerade gegen ein Team, das die Gegentore durch einen Fernschuss und einen Kopfball nach einer Ecke kassiert hat. Die Taktik ist simpel: Stürmer und Spielmacher keinen Freiraum geben, blocken, abwarten. Taktische Finessen, wie Kroatiens Spielverschiebungen gegen Spanien sind nicht zu erwarten. Warum, die Griechen haben ja nichts zu verlieren. Zumal ja eigentlich klar erschien, dass Deutschland mit der erprobten Startelf auflaufen würde.

Und genau in dieser Situation hat Joachim Löw ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert. Genauer gesagt, drei davon: Klose, Schürrle und Reus. Nach Informationen von Bild und Kicker werden die im Viertelfinale von Beginn an stürmen.  Plötzlich wird klar, warum Löw das Abschlusstraining am Donnerstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehalten hat. Denn diese Überraschung sitzt in mehrerlei Hinsicht. Zum einen wird das mitunter berechenbare Spiel des Teams der Vorrunde komplett umgekrempelt.

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Löw macht sich und das Team unberechenbar

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