Aserbaidschan und die EM
Der unbekannte Ölprinz an der Seitenlinie

Der Fußball in Europa profitiert von Petrodollars aus Asien. Über die EM in Frankreich sammelt einer der größten Erdöl- und Erdgasförderer der Welt Sympathiepunkte – für ein Land mit einem autoritären Führungsstil.

Jérôme Boateng gegen Antoine Griezmann, Thomas Müller gegen Patrice Evra: Das waren die Duelle, die Zuschauer im EM-Halbfinale zwischen Frankreich und Deutschland sehen wollten. Doch unweigerlich wurden sie auch mit den großen Schriftzügen an der Seitenbande konfrontiert. „Socar“ stand da beispielsweise.

Dass es sich hier nicht um Autowerbung handelt, wird den meisten Zuschauern höchstens durch den Zusatz „Energy of Azerbaijan“ klar. In Deutschland ist der Konzern kein Begriff, obwohl das Unternehmen seit 2009 mit einer Repräsentanz in Frankfurt/Main vertreten ist. Die Abkürzung Socar steht für State Oil Company of Azerbaijan Republic.

Das ist einer der größten Erdöl- und Erdgasförderer weltweit – mit Raffinerien, einem eigenen Pipelinenetz und Tankstellen in Aserbaidschan, Georgien, der Ukraine, Rumänien, aber auch der Schweiz, wo das Unternehmen 160 Esso-Tankstellen übernommen hat.

Im ersten Halbjahr 2016 exportierte der Konzern 643.000 Tonnen an Ölprodukten, darunter 389.000 Tonnen Dieselkraftstoff und 129.000 Tonnen Flugzeug-Kerosin.

Die Basis für Socars Reichtum bildet das Monopol für die Lagerstätten im eigenen Land. Nur für die teure Erschließung der Öl- und Gasfelder im Kaspischen Meer hat sich der Konzern internationale Partner wie BP und Total ins Boot geholt. Und doch stehen hinter den großen Werbebanden bei der Europameisterschaft keine rein kommerziellen Beweggründe.

Eine Expansion des Tankstellennetzes auf dem europäischen Markt steht jedenfalls nicht bevor. Socar betreibt bei der EM Imagewerbung – sowohl für den Konzern, als auch für Aserbaidschan und dessen politische Führung. Einen ähnlichen Schachzug heckte schon vor einigen Jahren der ebenfalls staatliche russische Energieriese Gazprom aus, der sich mit etlichen Millionen pro Jahr seinen Schriftzug auf den Schalke-Trikots sicherte, um so gute Stimmung für die Ostseepipeline zu machen.

Socar lässt sich den Vierjahresvertrag mit der UEFA immerhin 80 Millionen Euro kosten. „Unser Sponsoring hilft unserem Land, eine größere Bekanntheit in der internationalen Öffentlichkeit zu erringen“, erklärte Socar-Präsident Rownag Abdullajew denn auch kürzlich unumwunden in einem Interview. Tatsächlich ist Aserbaidschan reich an Gastfreundschaft, Kultur und Naturschönheiten.

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