DFB-Trainer Joachim Löw
„Solche Abnutzungskämpfe waren zu erwarten“

Das Defensivspiel sieht Joachim Löw beim torlosen Remis gegen Polen verbessert. Die Offensive aber krankt noch beim Weltmeister. Im Interview zeigt sich der Bundestrainer von Fortschritten überzeugt.

Saint-DenisNach dem 0:0 von Fußball-Weltmeister Deutschland im zweiten EM-Spiel gegen Polen am Donnerstagabend im Stade de France ist sich Joachim Löw sicher: Die Defensive funktioniert. Der Bundestrainer sieht aber noch leichte Probleme in der Offensive. Vor allem im letzten Drittel habe die Durchsetzungsfähigkeit gefehlt.

Wieder zu Null gespielt, aber dieses Mal auch kein Tor geschossen. Wie sehen Sie das Spiel gegen Polen?
Mit der Defensive war ich insgesamt sehr zufrieden, das hat die Mannschaft gut gemacht. Wir haben kaum Konter zugelassen. Das können die Polen sehr gut, das haben wir gut vermieden. Sie hatten zwar eine Großchance nach der Pause. Aber Manuel Neuer musste keinen einzigen Ball halten.

Wie beurteilen Sie das Comeback von Mats Hummels?
Mats hat sein erstes Spiel gemacht nach der Verletzung. Das war schon hervorragend. Beide Innenverteidiger haben schon sehr gut verteidigt.

Warum hat es nicht zu mehr als dem 0:0 gereicht?
In der Offensive haben wir relativ wenig Chancen herausgespielt. Unser Problem war das gesamte Spiel im letzten Drittel. Häufig haben wir nicht das Tempo erhöht, sondern abgebrochen. Dann waren wieder zehn Polen hinter dem Ball. Wir hatten wenig Abschlüsse, haben wenig Räume geöffnet durch Laufarbeit. Beide Mannschaften haben sehr gut verteidigt.

Sie haben wieder mit Mario Götze als Stürmer begonnen, warum?
Von der Strategie her war klar, dass Mario Götze spielt. Gegen so eine Mannschaft musst du am Boden operieren, nicht mit hohen Bällen. In der Offensive hat insgesamt die Durchsetzungsfähigkeit gefehlt. Wir müssen jetzt mit dem einen Punkt mal leben.

Wieder ist ein zweites Turnierspiel nicht wie gewünscht gelaufen. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Ich weiß es auch nicht, da kann ich wenig drüber sagen. Solche Abnutzungskämpfe waren zu erwarten. Man hat auch in anderen Spielen gesehen, dass es die Favoriten schwer hatten. Ab der K.o.-Phase müssen alle Mannschaften mehr nach vorn spielen.

Was bedeutet das Ergebnis für den Turnierverlauf?
Für uns wird es jetzt keine Veränderungen bringen. Nordirland hat auch gewonnen. Wir führen die Gruppe an. Unser Anspruch ist es, weiterzukommen und die Gruppe zu gewinnen. Wir haben jetzt einen Tag mehr Pause, können das eine oder andere trainieren. Ab der K.o.-Phase darf man keine schlecht Phase mehr erwischen, braucht Topniveau, darf sich keinen Fehler mehr erlauben.

Mesut Özil und Thomas Müller sind noch nicht so richtig drin im Turnier. Macht Ihnen das Sorgen?
Sorgen macht uns das jetzt nicht. Beide sind immer in der Lage, entscheidende Akzente zu setzen. Polen hat die Räume hervorragend zugemacht und in ihrer Hälfte schnell attackiert. Beide haben überragende Qualitäten, haben viel Laufarbeit geleistet, sind aber vielleicht etwas glücklos gewesen. Das wird sich ändern.

Wie sehen Sie insgesamt den bisherigen EM-Verlauf?
Es gab in allen Spielen knappe Ergebnisse. Es wurden viele Tore ganz zum Schluss erzielt, von Frankreich, Nordirland, auch England. Für die Nationen, die neu dabei sind, ist es das Turnier ihres Lebens. Sie werfen alles rein und machen das, was sie am besten können: Verteidigen und auf Konter spielen. Es war zu erwarten, dass es solche Kämpfe gibt und diese Mannschaften mit zehn Mann verteidigen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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