EM 2016
Goldman Sachs weiß, wer Europameister wird

An Big Data haben Statistiker ihre Freude. Sie können den wahrscheinlichen Lauf der Dinge errechnen. Zum Beispiel den Gewinn bei der Fußball-Europameisterschaft. Ob die Realität dem standhält?

FrankfurtIm EM-Finale stehen wahrscheinlich Spanien und Frankreich. Und: Frankreich wird gewinnen. Jedenfalls wenn es nach Big Data und Stochastik geht. Die US-amerikanische Investmentbank Goldman Sachs hat ein statistisches Modell entwickelt, um den Verlauf der Fußball-Europameisterschaft der Männer zu prognostizieren. Die Banker berechnen die Wahrscheinlichkeit für ein bestimmtes Team, eine bestimmte Runde zu erreichen und den EM-Pokal zu gewinnen. Grundlage bilden historische Daten: Genau genommen die Ergebnisse von 4.719 Spielen, gewichtet nach verschiedenen Parametern.

Demnach gewinnt Frankreich mit 23 prozentiger Wahrscheinlichkeit das Fußball-Spektakel, Nachbarland Deutschland mit 20 Prozent, gefolgt von Spanien mit 14 Prozent und England mit elf Prozent. Berücksichtigt man nur die Daten aufgrund bisheriger Spiele, wäre die Wahrscheinlichkeit für Deutschland am höchsten, den Pokal mit nach Hause zu nehmen. Aber nach den Goldman-Sachs-Prognosen scheidet Deutschland im Halbfinale gegen Frankreich aus.

Der Grund: Auch der Heimvorteil fließt in die Berechnung ein und so spuckt das statistische Modell Frankreich als wahrscheinlichsten nächsten Europameister aus. Dass Albanien den Titel holt, gilt mit null Prozent als ausgeschlossen. Nach jedem Spieltag wird Goldman Sachs die Daten aktualisieren, sodass die Wahrscheinlichkeiten immer wieder neu berechnet werden.

Inwiefern die Vorhersagen aussagekräftig sind, begründet Goldman Sachs mit der statistischen Erhebung. Und doch räumen die Analysten ein: Fußball ist ein ziemlich unvorhersehbares Spiel. Mit teils überraschenden Ergebnissen.

Das bewies das WM-Halbfinale vor zwei Jahren, als das Gastgeberland Brasilien auf Deutschland traf. Mit sieben Gegentoren wurden die Brasilianer aus der WM gekickt – dabei hatte damals das Goldman-Sachs-Modell mit 48 prozentiger Wahrscheinlichkeit Brasilien als nächsten Weltmeister gerankt. Auch scheiterte das Modell daran, das vorzeitige Ausscheiden von Spanien und Italien vorherzusagen.

Ein Handelsblatt-Redakteur hatte damals im Firmen-Tippspiel ganz auf die Goldman-Sachs-Prognose gesetzt – und damit kläglich versagt. Mathematiker der Goethe-Universität Frankfurt kommen übrigens zu einem anderen Ergebnis als die Statistiker von Goldman Sachs: „Nach unseren Prognosen hat Deutschland derzeit die besten Chancen, Europameister zu werden“, sagt Matthias Ludwig, Professor für Mathematik-Didaktik.

Wahrscheinlichkeiten sind eben nur Wahrscheinlichkeiten. Kein sicherer Blick in die Zukunft. Sonst wäre Fußballgucken ja auch langweilig.

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