EM 2016
Russland zittert vor den eigenen Fans

Das zweite Spiel der russischen Nationalmannschaft bei der EM könnte bereits ihr letztes sein – bei weiteren Fan-Krawallen droht das vorzeitige Aus. Der Warnschuss der Uefa zeigt sogar im Kreml Wirkung.
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MoskauDavon können die USA und die EU nur träumen – Russland zittert vor Sanktionen. Die Fußball-Nationalmannschaft muss am Mittwochnachtmittag in Lille gegen die Slowakei antreten. Doch im Blickpunkt stehen dieses Mal vor allem die Fans. Nach den extrem gewalttätigen Ausschreitungen nach der Partie gegen England in Marseille stehen sie unter Beobachtung – im Wiederholungsfall will die Uefa das russische Team von der Europameisterschaft ausschließen.

Und dieses Signal wirkt, die Offiziellen aus der Politik und den Verbänden meckern deutlich leiser und schlagen nun mahnenden Töne in Richtung ihrer Landsmänner an. Selbst der größte Scharfmacher der letzten Tage ist kaum wiederzuerkennen.

Die Fußball-Offiziellen des Landes bezeichnen die verhängten Sanktionen nach den Ausschreitungen zwar als hart und teilweise ungerecht. Auf einen Protest verzichtet der russische Fußballverband (RFS) im Angesicht des möglichen Ausschlusses allerdings. Die eigenen Fans ruft Moskau zur Friedfertigkeit auf. Was zu einer Zitterpartie wird: Denn die Engländer spielen morgen ihr zweites Gruppenspiel im nur wenige Kilometer entfernten Lens.

„Wir halten das für eine sehr harte Bestrafung, aber was können wir machen? Darauf herumreiten? Davon ändert sich nichts“, klagte Russlands Sportminister Witali Mutko nach dem Schuldspruch der Uefa. Demnach wurde der RFS zu einer Geldstrafe von 150.000 Euro und dem Ausschluss auf Bewährung verurteilt, das heißt bei einem weiteren Fall von Fangewalt im Stadion muss die Sbornaja das Turnier verlassen.

Eine Berufung habe keine Aussicht auf Erfolg, fügte Mutko hinzu, der sich gleichwohl darüber ärgerte, dass auch die Mannschaft darunter leidet. „Sie hat doch keine Schuld, dass sie bestraft werden muss“, sagte der 57-Jährige.

Unmutstöne kommen auch von anderen Moskauer Sportfunktionären: Der Vorsitzende des Sportausschusses der russischen Staatsduma, Dmitri Swischtschew, nannte die Strafe „übertrieben“ und witterte eine antirussische Verschwörung „Man denkt schon nach, warum nur Russland bestraft wird“, sagte er. Schließlich hätten in Marseille auch Fans anderer Nationen randaliert. Tatsächlich hatten in der Stadt auch englische und französische Hooligans Krawalle gemacht. Formal kann die Uefa allerdings nur Vorfälle im Stadion bestrafen.

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Der Scharfmacher wird gebändigt

Kommentare zu " EM 2016: Russland zittert vor den eigenen Fans"

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  • @Robbie McGuire
    Schauen wir einfach mal zu, wer sich da noch alles in Frankreich austoben kann...bestimmt werden die alle dann von der deutschen Presse als Russen, Pegida oder Dresdner bzw. Ostdeutsche wahrgenommen

  • Aber Martin,

    das ist hier doch normal.

    Hier kann jeder ein Held sein: Millionen,Muse,Fuhrpark Schiffsbeteiligungen......
    oder sich mal so richtig, egal um was in dem Artikel geht, über die Regierung, die Welt.....aufregen......

  • "(...) - bei weiteren Fan-Krawallen droht das vorzeitige Aus."

    Richtig so. Entweder man benimmt sich, oder man ist draußen. So einfach ist das. Kann man sich ja aussuchen, was einem lieber ist.

    Wär' echt schön, wenn's im "richtigen Leben" (besser gesagt: in der Politik) genauso einfach wäre wie bei Sport und Spiel.

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