EM-Analyse
Die Deutschen sind der EM-Favorit

Der amtierende Weltmeister beweist sich wieder einmal als Turniermannschaft. Trainer Joachim Löw hat dem Team eine Variabilität verliehen, die auf diesem Niveau derzeit unerreicht bleibt – sie macht es zum Topfavoriten.

LilleDas 3:0 (2:0) Deutschlands gegen die Slowakei war das bisher beste EM-Spiel der DFB-Auswahl. Bis auf kleinere Annäherungen hatten die Slowaken kaum Kontakt zum gegnerischen Tor. Die Abwehr zeigte sich wieder einmal sattelfest – sie ist die einzige, die im Turnierverlauf noch ohne Gegentreffer ist. Gegen den Achtelfinalgegner funktionierte auch die Offensive fast reibungslos. Wenn man solche Spiele trotz eines verschossenen Elfmeters mit 3:0 gewinnt, hat man einiges richtig gemacht.

Das gilt für die Mannschaft selbst genauso wie für den Trainer Jogi Löw. Denn der hat den Laden, wie schon zur WM 2014, völlig im Griff. Den Spielaufbau hat er dank seiner versierten Innenverteidiger Boateng und Hummels in die eigene Hälfte verlegt. Aus dem Mittelfeld entscheidet Chefstratege Toni Kroos, wo die Reise hingeht. Mal holt er sich den Ball hinten ab, dann lässt er die Verteidiger laufen und lange Pässe oder Diagonalbälle spielen. Es ist so für die Gegner unheimlich schwer, Zugriff zum deutschen Spiel zu bekommen, also früh zu stören.

Die Flügel- und Offensivspieler folgen den Matchplänen und werden meist in Situationen angespielt, in denen sie genau wissen, was sie mit dem Ball anstellen können. Oder in denen ein Ballverlust nicht zwangsläufig in einem Konter mündet. Es sind die klugen Entscheidungen, die Löws Team auszeichnen. Bisher. Denn im Viertelfinale wird sich zeigen, was die Mannschaft wirklich drauf hat. Da kommt ein ziemlich dicker Brocken.

Es wird für das Team auf jeden Fall ein alter Bekannter. Spanien und Italien, oder „Spitalien“, wie die ARD den Gegner bereits chimärenhaft getauft hat, machen unter sich das Weiterkommen aus. Damit wartet auf die Deutschen so oder so ein Angstgegner. Es sind die einzigen Nationen, die seit 2006 in der Lage waren, die DFB-Auswahl bei Großturnieren auszuschalten. Bei der WM 2006 und der EM 2012 waren es jeweils die Italiener im Halbfinale. Spanien war bei der EM 2008 (im Finale) und der WM 2010 (Halbfinale) Endstation.

Nur eins hat sich geändert: Diesmal sind die Deutschen der Favorit, den es zu schlagen gilt. Der amtierende Weltmeister beweist sich gerade wieder einmal als Turniermannschaft. Und dabei hat Löw dem Team eine Variabilität verliehen, die auf diesem Niveau derzeit unerreicht bleibt. Mario Gomez zum Beispiel kam nicht als Verlegenheitslösung. Löw hatte schon vor dem Spiel gegen Polen angekündigt, vielleicht auf den Vollblutstürmer zu setzen. Gomez ist auch hoch anspielbar, als Turm in der Schlacht lässt er die Bälle für das lauernde Mittelfeld abtropfen. Mario Götze indes soll mit flachen, kurzen Anspielen gefüttert werden und in einer Art Angriffsrotation Einschussmöglichkeiten kreieren.

Löw wechselt nicht aus Verlegenheit. Er wechselt aus guten Gründen. Deswegen ist auch André Schürrle fest als Joker gesetzt, wenn mehr über die Flügel passieren soll. Deswegen ist Löw auch wieder zu Julian Draxler zurückgekehrt, statt Leroy Sané auf links auszuprobieren. Die EM ist keine Zeit für Experimente.

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Jeder Einzelne muss sich dem Team unterordnen

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