EM-Ausblick
Ab Samstag sterben die Favoriten reihenweise

Die EM teilt sich nach der Vorrunde in zwei Extreme – auf der einen Seite ein „Todeszweig“, auf der anderen die Underdogs. Denn schon vor dem Finale treffen die Titelfavoriten reihenweise aufeinander.

DüsseldorfJoachim Löw hatte wohl eine kleine Vorahnung. Er freue sich auf die K.o.-Runde, sagte der Bundestrainer im Anschluss an den 1:0-Erfolg gegen Nordirland am Dienstag. „Das sind für mich die tollsten Spiele. Da muss der Gegner irgendwann auch mal was tun. Denn sonst fährt er nach Hause“, fügte Löw lächelnd hinzu. Ein kleiner Seitenhieb an die Teams, die sich mit eisernem Verteidigen durch die Gruppenphase gemogelt hatten. Nordirland diente an diesem Tage als Paradebeispiel.

Nun jedoch kommt es bereits vorzeitig zum Duell der Superlative im europäischen Fußball. Nach der Vorrunde teilt sich die Europameisterschaft in zwei Hälften, die erst am 10. Juli wieder zueinander finden.

Deutschland, Spanien, Italien, Frankreich, England – sie alle wurden vor der Gruppenphase in einem Atemzug als Favoriten genannt. Jetzt nehmen sie die „Todesroute“ mit dem Finale als Navigationsziel. Nur eines dieser Teams schafft es ins Endspiel, die anderen bleiben im Achtel-, Viertel- und Halbfinale auf der Strecke. Favoritensterben im großen Stil.

Schon im Achtelfinale kommt es zur Neuauflage des Endspiels von 2012, wenn sich Titelverteidiger Spanien am Montag in St. Denis mit Italien misst. Die DFB-Auswahl spielt gegen die Slowakei, im Falle eines Sieges warten dann Italien oder Spanien. Der Sieger dieser Partie wiederum trifft in der Runde der letzten Vier voraussichtlich auf Gastgeber Frankreich (im Achtelfinale gegen Irland) oder England (gegen Island)  – schwieriger kann ein Weg ins Endspiel kaum sein.

Auf der anderen Seite des Turnierbaums sind die Hürden vermeintlich niedriger. Die Überraschungsteams aus Wales und Nordirland spielen einen Viertelfinalisten aus, ebenso Ungarn und das wiedererstarkte Belgien. Die Schweiz und Polen zeigten gute Ansätze, für den großen Coup dürfte es allerdings noch nicht reichen.

Als einziges Team der „Sonnenseite“ zeigte bislang Kroatien konstant ansprechende Leistungen – gegen Portugal und Superstar Cristiano Ronaldo ist die Mannschaft vom Balkan leichter Favorit. Denkbar, dass sich Kroatien und Belgien im Halbfinale treffen. Andererseits: Wer hätte gedacht, dass es Außenseiter wie Nordirland oder Ungarn überhaupt ins Achtelfinale schaffen?

Schon vor dem Anpfiff der K.O.-Runde steht also fest: Im Finale wird ein Team stehen, dem man es nicht unbedingt zugetraut hätte. Einer der Finalisten wird um seinen ersten großen Titel spielen. Deutschland und Co. kommen auf insgesamt 20 Titel, auf der anderen Seite steht die Null.

Das dürfte den Mannschaften herzlich egal sein – für sie ist es eine historische und womöglich einmalige Chance. „Das Tableau ist offen, wir treffen auf keine Top-Länder“, sagte etwa Belgiens Torwart Thibaut Courtois. Trainer Marc Wilmots meinte: „Jetzt beginnt ein komplett neues Turnier.“

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Die Quittung der Überheblichkeit heißt Italien

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