EM-Fans in Paris
Randale und Tränengas zum EM-Finale

Randalierer haben die Fußball-EM auch in der letzten Nacht des Turniers als Bühne genutzt. Auf den Champs-Élysées setzte die Polizei Tränengas ein. Die Feierstimmung ist vorbei. Eindrücke unseres EM-Reporters.

ParisDieses „Rendez-vous“ in Paris hatten sich die Franzosen sicherlich anders vorgestellt. Auch ohne den früh verletzt ausgeschiedenen Superstar Cristiano Ronaldo konnte Portugal dem Gastgeber und Favoriten Frankreich nicht nur Paroli bieten, sondern durch ein Tor in der Verlängerung das EM-Endspiel für sich entscheiden.

Auf der Fanmeile am Champ de Mars direkt unter dem Eiffelturm hatten sich 90.000 Menschen versammelt, um den erwarteten dritten Europameistertitel der „Grande Nation“ zu bejubeln. Dass es am Ende anders kam, passt in die Dramaturgie dieses unberechenbaren Turniers.

Die ganze Stadt hatte sich auf eine lange Partynacht eingestellt. Die Metro fuhr auf aufgesuchten Strecken diesmal ohne Betriebspause bis in die Morgenstunden. Die überwiegende Zahl der Bars, Cafés und Kioske hatte sich auf großen Ansturm vorbereitet. Der blieb nach der Niederlage aus, überall schlossen die Etablissements wie gewohnt gegen 2 Uhr morgens oder sogar früher.

Die einzigen, die in der Nacht feierten, waren die Angehörigen der großen portugiesischen Gemeinde der Stadt. Und während sich vom Eiffelturm aus ein nicht enden wollender Auto- und Motorrollerkorso durch die Straßen von Paris zog, verwandelte sich die Partyzone bald in eine von Müll durchgezogene, staubige Wüstenlandschaft, in der einzig noch die Pokalzeremonie und Ronaldos Jubel für Aufmerksamkeit sorgten.

Da half es auch nicht, dass nach einer Fanabstimmung im Internet der Eiffelturm in den Farben der französischen Flagge erstrahlte. Im Gegenteil, inmitten der feiernden Portugiesen wirkte es, bei aller Schönheit, wie ein trotziger Zeigefinger, der sich gen Himmel reckt. Seht her, wir fühlen uns als Gewinner.

Die großen Tränen blieben dabei aus. Zwar fanden sich in der sich schnell auflösenden Menschenmenge viele niedergeschlagene Gesichter. Doch insgesamt schien es, die Franzosen hätten sich schnell damit arrangiert, dass ihr „Sommermärchen“ ein Traum bleiben sollte. Nach Terrorangst, Protestenund Ausschreitungen überwog das positive Fazit des Turniers. Ohne den Titel wird Fußball wieder zurück ins Glied der Konkurrenten der beliebtesten Breitensportarten treten müssen.

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