EM-Krawalle
Englische Hooligans müssen hinter Gitter

Die schweren Ausschreitungen von Hooligans in Marseille und Nizza haben die Weltöffentlichkeit schockiert. Während die Justiz handelt, tut sich die Politik noch schwer mit Konsequenzen – und die Polizei wirkt ratlos.

ParisEin Krankenpfleger aus der Psychiatrie und ein Koch sind die ersten englischen Hooligans, die wegen ihrer Beteiligung an den Krawallen in der Innenstadt von Marseille zu Gefängnisstrafen verurteilt worden sind. In einem Schnellverfahren hat die französische Justiz sie zu drei bzw. zwei Monaten Gefängnis ohne Bewährung bestraft.

Außerdem dürfen sie zwei Jahre lang keinen französischen Boden mehr betreten. Die Behörden versuchen mit dieser Schnellstrafe den Eindruck von großer Entschlossenheit zu wecken und andere potentielle Täter abzuschrecken.

Die französische Politik dagegen tut sich schwer damit, Konsequenzen aus den Gewaltexzessen in Marseille und in geringerem Maße in Nizza sowie Lille zu ziehen. „Es besteht keinerlei Anlass dazu, die Polizei zu kritisieren oder ihre Strategie in Zweifel zu ziehen“, verteidigte Innenminister Bernard Cazeneuve nicht zuletzt seine eigenen Entscheidungen.

Ihm kommt zugute, dass niemand in Frankreich den Stab über die Polizei brechen will: Die Sicherheitskräfte sind an der Grenze ihrer Belastungsfähigkeit angekommen und haben deshalb vor zwei Wochen schon selber in der Hauptstadt demonstriert.

Hinzu kommt, dass die Konservativen es kaum wagen, die sozialistische Regierung anzugreifen: Sie regieren selber in Marseille und in der Region PACA (Provence, Alpes, Cote d'Azur) und waren an der Einsatzplanung für den Samstag beteiligt.

Die Planung habe es erlaubt, angemessen zu reagieren, verteidigte sich Caroline Pozmentier, stellvertretende Bürgermeisterin von Marseille und bei den Konservativen für Prävention und Kriminalität verantwortlich: „Die Ordnungskräfte haben sehr schnell reagiert und die Auseinandersetzung auf ein Gebiet beschränken können, das wesentlich kleiner war als während der Weltmeisterschaft 1998.“ Ein wichtiger Faktor kommt hinzu: Die Konservativen haben bis 2012 Tausende Stellen bei der Polizei gestrichen und sie damit geschwächt.

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