EM-Krawalle gefährden WM 2018
Russland in der Hooligan-Falle

Für Russland könnte die Fußball-EM noch zum Fiasko werden. Angesichts der offenbar von russischen Hooligans angezettelten schweren Krawalle am Auftakt-Wochenende wird der Ruf nach harten Konsequenzen immer lauter.

BerlinDas Eingeständnis der französischen Staatsanwaltschaft wirkte ernüchternd für die EM-Beobachter. Keiner der an den Gewaltexzessen rund um das Gruppenspiel Russland gegen England beteiligten russischen Hooligans konnte dingfest gemacht werden. Die etwa 150 „extrem trainierten“ Täter hätten extrem schnell gehandelt und seien dann wieder verschwunden, räumte Staatsanwalt Brice Robin am Montag ein.

Dass nun Videoaufnahmen ausgewertet werden sollen, um die Hooligans doch noch zu identifizieren, half indes nicht, die Wogen der Debatte zu glätten, die mit den Vorfällen in Marseille ihren Anfang nahm und zwischenzeitlich das Zeug hat, zu einem ernsten Problem für Russland zu werden. Immerhin richtet das Land in zwei Jahren die Fußball-Weltmeisterschaft aus. Ob das vor dem Hintergrund der jüngsten Ausschreitungen noch die richtige Entscheidung ist, daran gibt es nun Zweifel.

„Russland muss seine Schlägertrupps unter Kontrolle bringen und dafür dringend ein überzeugendes Sicherheitskonzept entwickeln. Sonst darf eine Debatte über eine mögliche Neuvergabe der Fußball-WM kein Tabu sein“, sagte der Großstadtbeauftragte der Unions-Bundestagsfraktion, Kai Wegner, dem Handelsblatt.

Zudem forderte Wegner die Spitzen aus Politik und Sport in Russland auf, klarzumachen, dass Gewalt im Fußball „unter keinen Umständen eine Berechtigung“ habe. „Es ist bestürzend, wenn gewaltbereite Chaoten ein friedliches Fußballfest als Bühne für Ausschreitungen und Krawalle missbrauchen“, sagte der CDU-Politiker. „Fassungslos machen die Äußerungen des russischen Parlaments-Vizepräsidenten, der die Gewalttäter auch noch dafür lobte, angeblich die Ehre ihres Landes verteidigt zu haben.“

Der russische Parlaments-Vizepräsident Igor Lebedew hatte die Fanausschreitungen verteidigt. „Ich kann nichts Schlimmes an kämpfenden Fans finden. Eher im Gegenteil. Bravo, Jungs. Macht weiter so!“, schrieb der Politiker der nationalistischen Liberaldemokraten am Montag im Kurznachrichtendienst Twitter.

Die Grünen sehen bereits jetzt Handlungsbedarf. „In Anbetracht der gewaltsamen Ausschreitungen von russischen Hooligans während des EM-Gruppenspiels sowie der dubiosen Vergabe der WM-2018 an Russland und des Dopingsumpfs in dem Land, stellt sich sehr wohl die Frage, ob die Fifa diese WM-Vergabe nicht längst hätte überdenken müssen“, sagte Özcan Mutlu, Sprecher für Sportpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion, dem Handelsblatt. „Noch ist Zeit für eine Neuvergabe für die Fifa. Die Fifa muss endlich handeln.“

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