EM-Tagebuch
Leben wie Gott in Frankreich

England hat sich bei der EM nicht lumpen lassen: Das Team hat vor den Toren von Paris ein Fünf-Sterne-Hotel als Basislager bezogen. Eine Stippvisite in Chantilly, dem Ort, der den Engländern zum Titel verhelfen soll.
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ChantillyEs ist ruhig auf den Straßen von Chantilly. Der kleine Bahnhof der kleinen Stadt im Nordosten von Paris wurde einst für Besucher von Pferderennen errichtet. Heute fährt hier, streikbedingt mal mehr, mal weniger, zweimal die Stunde der Zug von und nach Paris durch. Knapp 11.100 Einwohner zählt das Örtchen, der Einkommensdurchschnitt liegt weit über dem der Region.

Einst ein Zentrum für die Porzellanmanufaktur avancierte der Ort im 19. Jahrhundert zu einem Ausflugsziel der Pariser Gesellschaft. Die Sehenswürdigkeiten des Orts? Die große Schlossanlage der Herzöge von Montmorency, in der sich heute das Musée Condé, eine der größten privaten Kunstsammlungen der Welt befindet. Und das Hippodrom, die Pferderennbahn, wo seit langer Zeit einige der prestigeträchtigsten Grands Prix der Welt ausgetragen werden. Chantilly, das ist auch das französische Zentrum der Pferdezucht.

Genau  dort, zwischen älteren Damen, die gemütlich ihre Runden auf den bequemen Wanderwegen gehen, hat sich die englische Nationalmannschaft einquartiert. 1998 waren schon einmal die Spanier hier, nun haben sich die Briten für das Fünf-Sterne-Hotel Auberge du Jeu de Paume als Basislager während der EM entschieden. Die Herberge ist mit Spa und Restaurant mit Michelin-Stern ausgestattet. Auch Trainingsanlagen gibt es hier, die im Vorfeld auf den neuesten Stand gebracht wurden.

Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Ein Traum, den sich die Engländer da erfüllt haben. Für Trainer Roy Hodgson war die zentrale Lage entscheidend, der Flughafen Charles de Gaulle ist gerade einmal 25 Kilometer entfernt. Ansonsten gibt es vor allem eins: Ruhe.

Eine Handvoll Fans hat sich am Mittwoch vor dem Hotel eingefunden, um die Abfahrt des Teams nach Lens zu bewundern. Und während unter den Augen von einigen Polizisten und Militärs der ganze Tross des Teams, allen voran die medizinische Abteilung, buchstäblich ins Rollen kommt, fließt auf der Straße vor dem Hotel rege der Verkehr.

Ein Ferrari-Fahrer ärgert ein bisschen die Motorrad-Eskorte. Einige Betreuer schieben schon einmal Gepäckstücke vor die mit einem Sichtschutz versehene Eingangstür. Sie alle haben einen Stofflöwen in der Hand, einer der „Three Lions“, die das englische Wappen zieren.

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„Good Luck“

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