EM-Vorhersagen
Für die Wissenschaft ist Deutschland schon Europameister

Vor jedem fußballerischen Großereignis werden sie befragt: Orakel wie der unvergessene Krake Paul, die angeblich wissen, wie das nächste Spiel ausgeht Doch Fußball-Vorhersagen gehen auch wissenschaftlich fundierter.

BerlinSechs Jahre nach seinem Tod ist Paul immer noch unvergessen. Der Krake, der zur Europameisterschaft 2008 und zur Weltmeisterschaft 2010 nicht nur fast alle Spiele der deutschen Mannschaft, sondern auch das WM-Endspiel richtig vorhersagte, hat die Geschichte tierischer Fußball-Orakel begründet. Ihm folgten diverse Dackel, Schweinchen, Kühe – und neuerdings Koala Oobi-Ooobi. Doch es geht auch wissenschaftlich fundierter, wenn Vorhersagen für die EM 2016 in Frankreich gemacht werden sollen.

Für die Wissenschaft ist klar: Deutschland wird Europameister. „Mit der höchsten Wahrscheinlichkeit wird das deutsche Nationalteam den Titel holen“, sagt der Physiker Metin Tolan von der Technischen Universität Dortmund, der seit 2006 alle großen Fußballturniere in Simulationen vorwegnimmt. Zumindest wenn die Elf so spiele, wie sie bei den vergangenen großen Turnieren gespielt hat. Schon bei den Weltmeisterschaften 2010 und 2014 sagte er Deutschland als Turniergewinner voraus – eine Trefferquote von 50 Prozent.

Mit einer Wahrscheinlichkeit von 15 Prozent wird das Team von Jogi Löw in diesem Jahr auch den Europameister-Titel holen, sagt Tolan. „Jetzt kann man sagen ‚Das ist aber wenig, da bleibt ja noch über 85 Prozent Luft‘. Aber man muss bedenken, wenn 24 Mannschaften spielen und alle gleichstark wären, dann wäre die Wahrscheinlichkeit, den Titel zu holen, ein Vierundzwanzigstel und das sind 4,2 Prozent.“

Auf eine ganz ähnliche Zahl kommen auch Mathematiker der Uni Frankfurt, die die Seite Fußballmathe.de ins Leben gerufen haben. Mit 14,39 Prozent liegt Deutschland dort vor Spanien mit 13,78 Prozent und England mit 11,01 Prozent. Das gilt für die Standard-Einstellung, bei der Kriterien wie „Historische Ergebnisse“, „FIFA-Punkte“ und „Mannschaftswert“ aus Sicht der Experten passend aufeinander abgestimmt sind.

„Sie können bei der Gewichtung der Kriterien variieren“, sagt Matthias Ludwig, Professor für Didaktik der Mathematik. „Aber egal, welche Einstellung Sie wählen – Deutschland ist immer vorne.“ Schon für die EM 2012 und die WM 2014 hatten Ludwig und seine Kollegen ein ähnliches Projekt an den Start gebracht. Ihre Trefferquoten: 66 und 60 Prozent.

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