Frankreich im Finale der EM
Aus der Traum – Deutschland scheitert an sich selbst

Deutschland spielt wieder gut – diesmal aber ohne Fortune. Im Halbfinale der Fußball-EM verliert der Weltmeister gegen Frankreich mit 0:2. Einmal mehr wird das Kernproblem deutlich: Deutschland fehlt die Effektivität.

MarseilleEin völlig bedienter Bundestrainer Joachim Löw verschwand als Erster in die Katakomben, seine geschlagenen WM-Helden standen dagegen noch Minuten später schockiert vor der deutschen Fankurve und suchten nach Gründen für den EM-K.o. Kurz zuvor war auf bittere Weise die Hoffnung auf das historische Titel-Double geplatzt.

Ein Missgeschick von Bastian Schweinsteiger und der erste Turnier-Patzer von Manuel Neuer besiegelten im EM-Halbfinale das Aus für die entkräftete Mannschaft von Löw. Stattdessen ebneten die beiden Tore von Superstar Antoine Griezmann Gastgeber Frankreich den Weg ins EM-Finale gegen Portugal. Die deutsche Nationalmannschaft war nicht in der Lage, mit einem weiteren Kraftakt das 0:2 (0:1) und das Halbfinal-Aus abzuwenden.

Die DFB-Auswahl konnte in einem Spiel auf Augenhöhe die zahlreichen Ausfälle am Ende nicht mehr kompensieren. Auch Abwehrchef Jérôme Boateng musste noch vorzeitig verletzt vom Platz. So war es Griezmann, der mit zwei Toren (45.+2 und 72.) die 200. Niederlage einer deutschen Mannschaft besiegelte.

Vorausgegangen war vor dem ersten Tor ein folgenschweres Handspiel von Schweinsteiger im eigenen Strafraum. Für Griezmann waren es bereits die Turnier-Treffer Nummer fünf und sechs, für die Franzosen die geglückte Revanche für mehrere WM-Pleiten gegen den alten Rivalen, wie zuletzt beim 0:1 vor zwei Jahren im Viertelfinale.

Eine Niederlage, die unnötig war, fand Joachim Löw. „Wir haben ein klasse Spiel gemacht und waren besser als der Gegner. Die Mannschaft ist dominant aufgetreten und hat die Franzosen zurückgedrängt. Wir haben mit Kraft, mit Mut, mit Selbstbewusstsein und mit großer Stärke gespielt. Ich kann keinem einen Vorwurf machen“, sagte Löw und sprach trotzdem von einer guten Turnierleistung.

Im 28. Klassiker zwischen Frankreich und Deutschland gingen die Gastgeber furios und euphorisiert ins Spiel. Die französische Offensive übte gleich großen Druck aus und wäre fast schon früh belohnt worden, als Griezmann zwei Spieler aussteigen ließ und Neuer zu einer Parade zwang. Eine derartige Phase hatte die deutsche Mannschaft in diesem Turnier noch nicht erlebt.

Es dauerte zehn Minuten, ehe der Weltmeister den Schwung der Franzosen unterbinden und selbst sein taktisches System durchbringen konnte. Löw hatte dabei mit einer neuen Variante überrascht. Dass Schweinsteiger erstmals die deutsche Mannschaft bei der EM auf das Feld führen würde, hatte er vorher schon angekündigt. Neu war aber, dass Emre Can an seiner Seite im Mittelfeld zusammen mit Toni Kroos zu seinem ersten Einsatz kam. Damit kehrte Löw erstmals zum erfolgreichen 4-3-3-System von der WM 2014 zurück, das die deutsche Elf ab dem Viertelfinale bis zum Triumph von Maracana gespielt hatte.

Und das taktische System ging auf. Schweinsteiger agierte als Abfangjäger vor der Abwehr und hinterließ lange einen starken Eindruck. Der Kapitän stand fast immer richtig und brachte Ruhe und Ordnung ins deutsche Spiel. Durch die Überlegenheit im Mittelfeld konnte die DFB-Auswahl die schnellen Gegenzüge der Franzosen gut unterbinden und erarbeitete sich selbst ein deutliches Übergewicht.

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Deutschland verpasst die Führung

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